Sonntag, 7. März 2010

Das langsame Karriereende von Tommy Haas - Teil 2

Teil 1 des langsamen Karriereendes von Tommy Haas lief vor bald anderthalb Jahren:
http://zackstennis.blogspot.com/2008/10/das-langsame-karriereende-von-tommy.html

Als ich mir den Artikel von damals vorhin durchlas, dachte ich mir: Das könnte man mit einigen Änderungen so glatt noch einmal veröffentlichen. Der Gedanke ans Ende seiner Karriere bereite ihm ein komisches Gefühl, sagte er. Und dann: „Ich möchte noch einmal zurück auf die ATP-Tour.“ Daran, dass er noch einmal ein Grand-Slam-Turnier spielen würde, hatte er massive Zweifel.

Bisher plagte sich Haas stets mit Schulter- und Armverletzungen herum. Von 2003 bis 2004 musste er deshalb über ein Jahr lang aussetzen. Diesmal ist es die Hüfte, das ist neu. Neu ist auch, wie detailliert er über seine aktuellen Beschwerden Auskunft gibt. Nachdem er vor einer Woche operiert wurde, berichtete er auf der ATP-Webseite.

In einer dreistündigen Operation habe ihm der Chirurg Dr. Marc J. Philippon in Colorado ein zwei Zentimeter langes Knochenstück entfernt, nachdem er – sofern ich mir das korrekt übersetzt habe - einen Schaden an der Knorpellippe der Hüftgelenkspfanne festgestellt habe.
("During the three-hour surgery the doctor found that Haas had a two inch labrum tear and cartilage damage, and removed a 2cm piece of floating bone, which the German has carried with him since birth.")

Weiter sagt Haas, dass er so schnell wie möglich auf die ATP-Tour zurückkehren möchte, aber zugeben müsse, dass die Situation sich diesmal anders anfühle als bei seinen früheren Verletzungen. Diesmal sei er sich nicht sicher, ob er wieder Profitennis spielen werde, schließlich sei er mittlerweile 32.

Es war in den vergangenen Tagen verschiedentlich zu lesen, dass Tommy Haas' Karriere nun wohl vorbei sei. Das glaube ich noch nicht. Ich glaube nicht, dass er Lust hat, sich mit den lausigen Erstrundenniederlagen auf mäßig besetzten Turnieren, die er Anfang des Jahres gespielt hat, verabschiedet zu haben. Mindestens zu einer Abschiedstour auf den großen Center-Courts wird er sich noch mal aufraffen. Wie oben erwähnt: Schon vor anderthalb Jahren redete er vorsichtig vom Karriereende. Damals war ich geneigt, ihm zu glauben. Dann spielte er bei den French Open plötzlich beinahe Roger Federer an die Wand, gewann das Turnier in Halle/Westfalen und kam in Wimbledon ins Halbfinale. Seither steht er wieder unter den ersten 20 der Weltrangliste.

Zum Schluss eine Anmerkung zum Thema von voriger Woche, zur Frage also, wieso so viele deutsche Spieler für den Davis-Cup abgesagt haben. Der Deutsche Tennis-Bund hat jetzt die Nachricht lanciert, bei Philipp Petzschner habe das mit den Dopingkontrollen zu tun. Er hat den Code der Nationalen Doping-Agentur Nada nicht unterschrieben. Er scheint sich an der Regelung zu stören, jederzeit seinen aktuellen Aufenthaltsort zu melden. Das ist eine umstrittene Vorschrift, gegen die schon ganz andere Leute rebelliert haben. Wer da nicht mitmacht, macht sich natürlich verdächtig. Trotzdem: Wenn ich eine Liste mit allen Profis aufstellen müsste, von denen ich mir besonders gut vorstellen kann, dass sie zur Leistungssteigerung gerne mal verbotene Substanzen zu sich nehmen, Philipp Petzschner stünde nicht drauf. Dafür ist er einfach nicht verbissen genug. (Bei ATP-Turnieren gilt die Regelung mit der Aufenthaltsmeldung nur für Top-50-Spieler. Ein solcher ist Petzschner derzeit nicht, also darf er bei ATP-Turnieren weiterhin antreten.)

Kommentare:

noko hat gesagt…

Was die Erstrundenniederlagen von Haas angeht, glaube ich, dass das auch häufiger echtes Desinteresse war. Es ist okay, sich bei den großen Turnieren mehr einzusetzen, als bei den kleinen - ich denke das machen vor allem mit zunehmendem Alter beinahe alle Spieler, aber vollständige Leistungsverweigerung ist auch den zahlenden Zuschauern gegenüber einfach respektlos. Der Tennis-Experten-Blog hat darüber berichtet. Das Match habe ich zwar nicht gesehen, aber auch in Kooyong, wenn es auch eine Exhibition ist, hat er sich meines Erachtens ziemlich daneben benommen. Wenn er zu viel Boden im Ranking verliert und dann Probleme hat, ohne die Qualifikation spielen zu müssen, ins Hauptfeld der Grandslams zu kommen, glaube ich nicht, dass er versuchen wird, sich anderweitig dorthin zu bringen, sei es durch Qualifikation oder durch Verbesserung im Ranking - im Gegensatz zu Nicolas Kiefer, der ja im Zweifelsfall auch zu Challenger-Turnieren übergeht.

Und was Petzschner betrifft, muss ich sagen, dass ich es insbesondere in Zeiten, wo Datensammelmaschinen aller Art (Staaten, große Konzerne, etc.) zugange sind, auch nur sehr ungern ständig meinen Standort mitteilen würde. Es mag sein, dass das für irgendwen sofort nach Doping aussieht, aber für mich ist es so ähnlich, wenn jemand sofort als mutmaßlicher Krimineller ausgemacht wird, nur weil er sich gegen die Vorratsdatenspeicherung ausspricht.
Ich finde es irgendwie eigenartig, wenn gesagt wird (z.B. von Armin Baumert), dass sofort ein Verdachtsmoment besteht, nur weil Petzschner eine "freiwillige" Kontrolle nicht eingeht.

Jelena hat gesagt…

2 inch sind 5 cm. :)

Zack hat gesagt…

Die Rede war von einem "2cm" piece of floating bone. ;)

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