Sonntag, 7. Februar 2010

Haas ist Ami, Koroljew ist Kasache – Meldungen vom Pässchen-wechsel-dich-Spiel

Tommy Haas ist nun Amerikaner“, diese Meldung ließ Tennis-Deutschland in dieser Woche kurz stutzen. Nachdem er 20 Jahre in Florida gewohnt hat und vor sechs Jahren eine Green Card bekam, bestand Haas kurz vor Weihnachten den Einbürgerungstest. Praktische Auswirkungen für den Tenniszirkus dürfte dies nicht haben, schließlich bleibt er auch deutscher Staatsbürger und will auch in Zukunft je nach Form und Verletzungsstatus für Deutschland im Davis-Cup spielen. Bei der ATP, die jedem Spieler nur ein Land zuordnet, ist Haas weiterhin unter „GER“ gelistet.

Aber es hat in der jüngeren Vergangenheit auch eine ganze Reihe Spieler gegeben, deren dreibuchstabige Länderkennung zu Beginn eines neuen Jahres plötzlich eine andere war. Auch Deutschland hat auf diese Weise schon einen – zugegeben eher mäßig bekannten – Profi verloren: Ivo Klec, aktuell die Nummer 326 der Welt, machte sich vor drei Jahren, als er eine Weile unter den ersten 200 stand, berechtigte Hoffnungen auf einen Einsatz im Davis-Cup-Team seines Geburtslandes Slowakei. Eingesetzt wurde er allerdings nur für ein einziges unbedeutendes Match 2007 gegen Mazedonien, als die Slowakei ohnehin schon uneinholbar in Front lag. Immerhin, Ivo Klec gewann mit 6:2 und 6:3 gegen einen gewissen Grabuloski.

Die größten Einbürgerer im Tenniszirkus aber sitzen in Kasachstan. Die besten vier Kasachen auf der Weltrangliste waren allesamt vor zwei Jahren noch Russen: Jewgeni Koroljew (Nummer 50), Andrei Golubew (105), Michail Kukuschkin (124) und Juri Schukin (201) bilden ein komplettes Davis-Cup-Team. Der größte Fisch, Koroljew, ist dem finanzstarken kasachischen Tennisverbandspräsidenten erst in diesem Jahr ins Netz gegangen. Anders als die anderen drei hätte er in absehbarer Zeit auch Aussichten auf einen Davis-Cup-Start für Russland gehabt.

Auch Monaco muss mangels eigener Stars Spieler aus dem großen Nachbarland verpflichten, um im Davis-Cup nicht völlig unter die Räder zu kommen. Jean-René Lisnard (Nummer 222) und Thomas Oger (419) waren noch vor einiger Zeit Franzosen.

In den Achtzigern und frühen Neunzigern entschieden sich bekanntlich eine ganze Reihe namhafter Osteuropäer für den US-amerikanischen Pass: Martina Navratilova, Ivan Lendl, Monica Seles. Auch Südafrikaner gingen diesen Weg: Johan Kriek und Kevin Curren (Boris Beckers Gegner in seinem ersten Wimbledonfinale 1985).

Inzwischen verlieren die USA aber auch gelegentlich Spieler ans Ausland. Zwei mittelmäßig erfolgreiche US-Amerikaner, Cecil Mamiit und Eric Taino, besannen sich vor einigen Jahren auf ihre philippinischen Vorfahren und spielten 2008 immerhin mal ein Jahr in der zweiten Davis-Cup-Liga, wo sie allerdings gegen Japan glatt ausschieden.

Kommentare:

Mahqz hat gesagt…

Thomas Behrend ist doch in den 90ern auch nach Brasilien gewechselt, oder?

Schönes Blog übrigens, grade erst entdeckt und schon begeistert!

Zack hat gesagt…

Guter Hinweis, Tomas Behrend hätte ich in der Tat auch erwähnen können. Doppelte Staatsbürgerschaft hatte er, glaube ich, immer schon. Er hat wohl mal darüber nachgedacht, für Brasilien anzutreten, als die Brasilianer um ihn buhlten. Das war 2006. im Davis-Cup war er aber nur einmal im Einsatz, und das war 2003 für Deutschland.

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