Sonntag, 14. Februar 2010

Davis-Cup gegen Frankreich: Wer muss ins Team?

Es wird Zeit, mal wieder Bundestrainer zu spielen. In drei Wochen ist Davis-Cup, und wir müssen klären, wen Kapitän Patrik Kühnen unbedingt aufzustellen hat und im Falle welcher Personalentscheidungen wir ihn mit Hohn und Spott zu bedenken haben. Bevor wir zu diesem Thema kommen, gilt es aber, die Voraussetzungen zu klären:

Gespielt wird vom 5. bis zum 7. März auf Hartplatz gegen Frankreich im Palais des Sports in Toulon. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Deutschland dieses Erstrundenspiel gewinnt, schiede man im darauf folgenden Viertelfinale gegen den Sieger aus der Begegnung Spanien-Schweiz aus.

Auch wenn die deutschen Chancen gering sind, wird es sich lohnen, die Davis-Cup-Begegnung zu verfolgen – wegen der Franzosen. Teamchef Guy Forget hat gute Leute im Angebot. Die beiden besten sind momentan Jo-Wilfried Tsonga (Nr. 9) und Gael Monfils (Nr. 13), und sie sind gut in Schuss. Tsonga hat im Davis-Cup noch nie ein Match verloren. Monfils war erst einmal im Einsatz, und da unterlag er überraschend dem Holländer Thiemo de Bakker verloren. Das war aber auswärts und im letzten September. Seitdem scheint mir Monfils gewaltige Fortschritte gemacht zu haben, insbesondere in Hallen, die in Frankreich stehen (Sieg in Metz, Finale beim Masters in Paris-Bercy). Die Nummer 3 in Frankreich ist Gilles Simon. Als Nummer 16 der Welt steht er einen Platz vor Deutschlands Nummer 1 Tommy Haas. Simon hat wegen eines kaputten Knies in diesem Jahr noch kein Match bestritten. In Marseille, wo ab Montag gespielt wird, tritt er an. Ob er für den Davis-Cup eine Rolle spielen wird, wage ich noch nicht zu beurteilen.

Dann gibt’s noch das Doppel. Da spielte in den vergangenen Jahren für Frankreich immer Michael Llodra mit irgendwem. Traditionell sind die Franzosen den Deutschen im Doppel meilenweit voraus. Wenn ich mir aber die Ergebnisse der letzten Monate anschaue, scheint mir der Vorsprung etwas geschrumpft zu sein. Insbesondere Llodra hat nachgelassen, was meines Erachtens nicht bloß daran liegt, dass er sich ab und an aufs Einzel konzentrieren will.

Schauen wir also mal, wer für Deutschland auflaufen könnte, und arbeiten wir uns die Weltrangliste hinab:

Nr. 17 Tommy Haas
Wenn er kann und will, ist er im Team. Aber er will wohl eher nicht. Letzte Woche, als er mitteilte, dass er nun auch US-Bürger ist, schrieb er auf seiner Homepage: „Ich könnte auch weiterhin für das deutsche Davis-Cup-Team spielen. Ob das schon bald wieder der Fall sein wird, kann ich noch nicht sagen. Wenn es so weit ist, werde ich Patrik Kühnen meine Entscheidung mitteilen.“ Nach einem Start in drei Wochen klingt das nicht.

Nr. 29 Philipp Kohlschreiber
An ihm führt kein Weg vorbei. Wenn wir uns Haas mal wegdenken, ist Kohlschreiber inzwischen dauerhaft das deutsche Davis-Cup-Flagschiff. Von ihm kann man fast immer eine solide Top-30-Leistung erwarten, und auch wenn es mal Ärger wegen des Geldes gab, reist er immer brav an, wenn irgendwo Davis-Cup ist.

Nr. 40 Benjamin Becker
Er kam erst einmal im Davis-Cup zum Einsatz, das war 2007 gegen Kroatien, und verlor. In der Rangliste rangiert er im Moment etwas besser, als es seiner Form entspricht. Überragende Spiele habe ich zuletzt nicht von ihm gesehen. Ich sehe ihn nicht im aktuellen Team.

Nr. 43 Andreas Beck
Er hatte im vergangenen Jahr ein beachtliches Davis-Cup-Debut mit einer Fünfsatzniederlage in Spanien gegen Fernando Verdasco. Aber jetzt ist er verletzt, und das wird sich wohl bis Anfang März nicht ändern.

Nr. 62 Michael Berrer
Hier könnten wir unseren zweiten Mann gefunden haben. Da muss man kurz schlucken, denn Platz 62 für einen Davis-Cup-Einzelspieler, das ist für deutsche Maßstäbe keine überragende Platzierung. Aber Berrer ist momentan in der Form seines Lebens und dürfte – weil er aus dem Frühjahr 2009 kaum Punkte zu verteidigen hat, bald an die Top 50 anklopfen. Er hat im Winter reihenweise Challengerturniere gewonnen und stand vor einer Woche im Endspiel des ATP-Turniers von Zagreb, wo er nur knapp gegen den Lokalmatador Marin Cilic (Nr. 10) verlor. Berrer wird demnächst 30, er ist abgeklärt genug, um in einer Davis-Cup-Auswärtsbegegnung einen kühlen Kopf zu bewahren. Zumindest gegen Monfils könnte ihm eine Überraschung gelingen.

Nr. 63 Florian Mayer
Auch Florian Mayer wäre eine gute Wahl. Auch er hatte zuletzt tolle Ergebnisse: Ein Challenger-Titel in Neukaledonien, die dritte Runde bei den Australian Open und in dieser Woche Viertelfinale beim 500er-Turnier in Rotterdam. Er hat sogar stärkere Gegner geschlagen als Berrer. Wenn Mayer und Berrer irgendwo bei einem Allerweltsturnier aufeinanderträfen, würde wahrscheinlich Mayer gewinnen. Im Davis-Cup würde ich trotzdem Berrer vorziehen. Florian Mayer spielt immer dann am besten, wenn ihn niemand beobachtet, und das ist beim Davis-Cup nun einmal nicht der Fall. Seine Davis-Cup-Einsätze in der Vergangenheit waren – außer gegen die auf Sand völlig überforderten Thailänder – nicht von Erfolg gekrönt. Vielleicht tu ich Flo aber auch Unrecht. Mir scheint, er ist nach seiner schöpferischen Pause deutlich nervenstärker geworden.

Nr. 64 Simon Greul
Noch so einer wie Benjamin Becker, der im Ranking besser steht, als es seiner momentanen Leistung entspricht. Er hatte im Sommer ein paar gute Sandplatz-Ergebnisse, aber das ist lange her, und außerdem liegt ja in der Halle von Toulon gar kein Sand.

Nr. 71 Philipp Petzschner
Der muss auf jeden Fall im Team sein, und zwar fürs Doppel. Da ist er der beste, den wir haben, und außerdem taugt er, anders als die anderen Doppelspezialisten wie Michael Kohlmann, Christopher Kas oder Philipp Marx, auch als Ersatzmann fürs Einzel.

Damit haben wir unsere vier Leute: Kohlschreiber, Berrer, Mayer, Petzschner. Im Einzel spielen Kohlschreiber und Berrer, im Doppel Kohlschreiber und Petzschner. Falls sich nun jemand fragt, ob es eigentlich Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler noch gibt: Ja, gibt es. Schüttler steht auf Platz 94 ist für den Davis-Cup nicht mehr wirklich erste Wahl. Kiefer steht noch weiter hinten, auf Platz 111, was aber daran liegt, dass er meistens verletzt ist, so auch jetzt wieder. Ach ja, nach Alexander Waske wird auch noch gelegentlich gefragt. Ebenfalls verletzt, und das mit kurzen Unterbrechungen schon seit zweieinhalb Jahren.

Hier der Link zum Davis-Cup-Spielplan

Kommentare:

Mahqz hat gesagt…

Hmm Greul und Becker, da ist Kühnen wohl nicht deiner Meinung. Für mich auch unverständlich.

Zack hat gesagt…

Sieht ja fast so aus, als ob außer Greul und Becker niemand Bock auf Davis-Cup hat. Woran das liegen könnte, darüber werde ich mich dann wohl am Sonntag mal auslassen.

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