Sonntag, 24. Januar 2010

Von Agassi bis Šrejber: Gute und böse Parteispender

Als ich mich vor ein paar Wochen näher mit Andre Agassi beschäftigte, um über seine Autobiographie „Open“ zu schreiben, stieß ich auf ein anderes Thema, das ich mir aufbewahrte für eine Woche, in der es einen aktuellen Anlass gibt. Der aktuelle Anlass ist schneller gekommen, als ich erwartet hatte. Wir haben das Karlheinz Schreiber und August Baron von Finck zu verdanken. Es geht um Parteispenden.

Andre Agassi nämlich ist ein großer Parteispender, soweit ich es überblicke, ist er der mit Abstand größte Parteispender unter den ehemaligen Tennisprofis. Die Sache mit dem Warten auf einen aktuellen Anlass ist natürlich etwas gemein, denn es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Agassi oder ein anderer der im Folgenden genannten Tennisspieler mit seinen Spenden gezielt Einfluss auf Gesetzgebungsverfahren nehmen will. Diese Spieler sind also nicht für irgendwelche Machenschaften zu tadeln, sondern im Gegenteil dafür zu loben, dass sie mit ihrem privaten Geld den demokratischen Diskurs fördern.

Es geht dabei vor allem um US-Amerikaner, denn das amerikanische Parteispendenwesen ist sehr transparent. Wer wem was gespendet hat, ist selbst dann öffentlich einsehbar, wenn es nur um ein paar Dollars geht. In Deutschland werden Parteispenden erst ab 20.000 Euro öffentlich gemacht, und in diese Dimensionen ist noch kein Tennisspieler vorgedrungen (falls überhaupt je einer einer Partei was gespendet haben sollte). Die einzigen deutschen Großspender, die was mit Sport zu tun haben, sind der Softwaremogul und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp sowie die betuchte ehemalige Sporthilfe-Vorsitzende und Dressurreiterin Ann Kathrin Linsenhoff (beide CDU).


Die Informationen für die USA entnehme ich der Seite www.newsmeat.com. Andre Agassi hat demnach im Laufe mehrerer Jahre 174.500 Dollar an die Demokratische Partei und ihre Kandidaten gespendet. Auffällig häufig ging sein Geld dabei nicht an einzelne Politiker für deren Wahlkampf, sondern an die Parteiorganisation im Staate Nevada. Ein Zeichen für ausgeprägte Parteiloyalität. Unter den Kandidaten, die er unterstützt hat, sind viele Promis wie Hillary Clinton, Al Gore, John Kerry, Ted Kennedy. Barak Obama allerdings hat von Agassi bisher kein Geld bekommen.

John McEnroe und Martina Navratilova sind in kleinerem Umfang treue Demokraten-Spender. Auch Steffi Graf hat schon für die Demokraten gespendet. Arthur Ashe war ebenfalls Unterstützer der Demokraten. Chris Evert und Andrea Jaeger unterstützen die Republikaner. Auch unter den Ex-Profis aus der zweiten Reihe habe ich Parteispender gefunden: Richey Reneberg für die Demokraten und David Wheaton, Wimbledon-Halbfinalist von 1991, für die Republikaner.

Andere bekannte Tennisspieler unterstützte gelegentlich einzelne Kandidaten, auch mal von wechselnden Parteien. So spendete Jim Courier 2004 3000 Dollar für den demokratischen Präsidentschaftsbewerber John Kerry und 2009 250 Dollar für den republikanischen Mitt Romney. Billy Jean King gibt ihr Geld in erster Linie für Frauen bei den Demokraten, unter anderem auch für Hillary Clinton. Allerdings spendete sie 2001 auch einmal 5000 Dollar an die Republikaner.

Überrascht hat mich, was aus Pam Shriver geworden ist, die 1984 zusammen mit Martina Navratilova den Grand Slam im Doppel gewann. Als aktive Spielerin war sie bekannt für ihre Wahlkampfauftritte zu Gunsten der Republikaner. Ihre letzte Spende an die Republikaner waren 1999 500 Dollar für die Präsidentschaftskampagne von George W. Bush. Seither unterstützt sie ausschließlich die Demokraten.

Was aus den Angaben nicht hervorgeht, ist, bei welcher Gelegenheit die genannten Spieler ihr Geld gaben, ob es aus Überzeugung war oder vielleicht der eine oder andere einfach gern bei einem Unterstützer-Galadinner dabei sein wollte.

Das Spannende an dem Spenderverzeichnis finde ich nicht so sehr die Höhe der Summen, sondern die Information, welche Spieler sich für Politik zu interessieren scheinen und wo sie im politischen Spektrum zu verorten sind.


Unter deutschen Tennisspielern lässt sich in diesem Punkt eine gewisse Affinität zur FDP ausmachen. Die Einlassungen von Michael Stich, Patrik Kühnen und Charly Steeb lassen sich zusammenfassen mit: „Es muss im Leben Gewinner und Verlierer geben, ist im Tennis ja schließlich auch so, deswegen FDP.“ Boris Beckers Begründung, warum er nicht die Linkspartei wählt, klingt in abgeschwächter Form ähnlich.

Bei unseren luxemburgischen Nachbarn kandidierte die frühere Weltranglisten-18. und aktuelle Nummer 331 Anne Kremer jüngst gar selbst für die liberale DP.

Zum Abschluss schlagen wir den Bogen zurück zur anrüchigen Form der Parteispende. Es gibt nämlich tatsächlich einen Tennisspieler, der es geschafft hat, im Zentrum einer nationalen Spendenaffäre zu stehen: Der Tscheche Milan Šrejber (unter anderem Bronzemedaillengewinner im Doppel bei den Olympischen Spielen 1988). Šrejber zahlte Mitte der Neunziger Jahre umgerechnet 200.000 Euro an die konservative Partei des damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Václav Klaus und soll im Gegenzug Anteile an einem Stahlwerk bekommen haben.

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