Sonntag, 10. Januar 2010

Vier Jahrzehnte auf der Tour: Wer knackt den Santoro-Rekord?

Fabrice Santoro im Mai 2009 (Wikipedia)

Wir müssen uns schon wieder mit Fabrice Santoro beschäftigen. Im November schrieb ich über sein Karriereende und vor zwei Wochen darüber, dass Rainer Schüttler nach diesem Karriereende nur sehr bedingt als ältester Spieler auf der Tour anzusehen ist. Jetzt spielt Santoro einfach weiter. Der 37-Jährige mit Weltranglistenplatz 68 tritt bei den Australian Open an, und zwar aus dem einzigen Grund, dass er dann der erste Spieler in die Weltgeschichte eingeht, der in vier verschiedenen Jahrzehnten an Grand-Slam-Turnieren teilgenommen hat: nämlich in den 80ern, den 90ern, den 00ern und nun den 10ern. Im vergangenen Herbst hatte Santoro noch erklärt, dass dieser Rekord zwar eine interessante Sache wäre und er ernsthaft darüber nachgedacht habe, ihn aufzustellen, dann aber beschlossen habe, seine Karriere trotzdem definitiv Ende 2009 zu beenden.

Nun hört man gelegentlich, Santoro stelle einen Rekord für die Ewigkeit auf. Aber wer will das jetzt schon wissen? Spekulieren wir also einfach mal wild herum, wer es ihm mit den vier Jahrzehnten auf Grand-Slam-Turnieren gleichtun könnte.

Man muss in einem Jahr geboren sein, das mit einer 2 aufhört. Dann kann man als 17-Jähriger in einem Jahr, das mit einer 9 aufhört, sein Grand-Slam-Debut geben und 21 Jahre später im vierten Jahrzehnt auf der Tour langsam ans Aufhören denken. Außerdem ist zu bedenken, dass die meisten 17-Jährigen in der Weltrangliste nicht unter den ersten 100 stehen, also eine Wild Card brauchen, um bei einem Grand-Slam-Tunrier mitmachen zu dürfen. (So war es auch bei Fabrice Santoro 1989.) Man muss also möglichst nicht nur in einem Jahr mit einer 2 hinten geboren werden, man sollte auch aus einem Land kommen, das ein Grand-Slam-Turnier hat.

Schauen wir mal, wer von den Spielern, die 1999 an mindestens einem Grand-Slam-Turnier teilnahmen, in zehn Jahren noch an Bord sein könnte. Die wichtigsten Spieler aus dem Jahrgang 1982 sind (in alphabetischer Reihenfolge) Jose Acasuso, David Ferrer, Michail Juschni, Paul-Henri Mathieu, David Nalbandian, Tommy Robredo, Andy Roddick, Dimitri Tursunow und Kristof Vliegen. Die Argentinier, die Russen, die Spanier und der Belgier unter ihnen haben erwartungsgemäß 1999 keine Wild Card bekommen und sich auch nicht anderweitig für eines der in Frage stehenden Turniere qualifiziert. Aber auch der Franzose Mathieu und die beiden US-Amerikaner Roddick und Ginepri waren erst ab 2000 bzw. 2001 dabei. Von hier droht für Santoro also keine Gefahr.

Aber wer weiß, vielleicht schafft es ja jemand aus dem starken 1981er-Jahrgang? Lleyton Hewitt und Roger Federer jedenfalls haben 1999 Grand-Slams gespielt. Wenn Lleyton Hewitt, was anzunehmen ist, 2020 nicht mehr aktiv ist, dann schafft es vielleicht ein anderer Australier. Einer, der downunder ohnehin als legitimer Hewitt-Nachfolger gehandelt wird: Bernard Tomic wurde 1992 geboren und nahm 2009 an den Australian Open teil. Was ich übrigens gar nicht wusste, bis ich mir vorhin Tomics ATP-Profil ansah: Der Junge ist gebürtiger Stuttgarter. Seine kroatischen Eltern zogen mit ihm nach Australien, als er drei Jahre alt war. Ein weitsichtiger Schritt, denn wäre er heute Deutscher oder Kroate, hätte Tomic die Grand-Slam-Wild-Card gewiss nicht erhalten.

Aber vielleicht droht die Gefahr für Santoros Rekord ja auch aus den Tiefen der Achtziger Jahre. Es wäre doch gelacht, wenn ausgerechnet das Jahr 2010 das erste sein sollte, in dem niemand das Gerücht lanciert, Pete Sampras könnte, nachdem er wieder einmal einen Schaukampf-Satz gegen Roger Federer gewonnen hat, doch noch mal ein Comeback versuchen. Aber diese Variante ist wohl so unwahrscheinlich wie die, dass Fabrice Santoro im Jahr 2020 noch einmal antritt, um seinen Rekord zu festigen.

In einigen Medien heißt es, Santoro habe 1989 an der Junioren-Konkurrenz der French Open teilgenommen. Das stimmt nicht, und das wäre ja auch keine Kunst, jedenfalls keine ganz so große. Er spielte schon bei den Erwachsenen mit. Er verlor in der ersten Runde den fünften Satz mit 6:8 gegen David Wheaton aus den USA.

Abschließend sei zwecks Miesmacherei ein anderes Problem angesprochen: Ich erinnere mich an unverwüstliche Besserwisser, die im Jahr 2000 darauf hinwiesen, dass doch das 21. Jahrhundert formal korrekt noch gar nicht begonnen habe, weil nach althergebrachter Zählweise das Jahr 2000 noch zum 20. Jahrhundert gehöre, weil die Zählung ja mit dem Jahr 1 beginne und nicht mit dem gar nicht stattgefunden habenden Jahr 0. Demnach wären wir jetzt also immer noch im ersten Jahrzehnt des aktuellen Jahrhunderts und Fabrice Santoro müsste im Jahr 2011 noch mal irgendwo aufschlagen, um seinen Rekord wirklich offiziell zu machen.

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