Am nächsten Sonntag gibt es an dieser Stelle einen ausführlichen Bericht vom ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle. Heute fasse ich mich etwas kürzer. Ich bin schon in Wien, habe aber noch nicht viel Tennis gesehen: von der letzten Qualifikationsrunde nur den dritten Satz zwischen Dominik Hrbaty (Slowakei) und Michael Berrer (Deutschland) und ein paar Spiele aus dem zweiten Satz zwischen Alejandro Falla (Kolumbien) und Adrian Ungur (Rumänien).
Die Wiener Stadthalle scheint mit für ein Tennisturnier sehr gut geeignet. Sie ist keine von diesen riesigen sponsorenbenamten Mehrzweckhallen, in denen ein gefühlter halber Kilometer das Publikum vom Spielfeld trennt. Sie hat genau die richtige Größe. Mit schwarzen Wänden, die sich unterm Dach im Nirgendwo verlieren, und mit dunkelroten Stoffbezügen auf den Klappsitzen wirkt sie fast wie ein Theater. Mal sehen, ob das morgen immer noch so wirkt, wenn das Hauptturnier losgeht und die Sitze alle besetzt sind. (Morgen ist in Österreich Nationalfeiertag, die Wiener sollten also eigentlich Zeit haben, in ihre Stadthalle zu kommen.)
Nun zu den beiden Matches, von denen ich etwas mitbekommen habe: Als ich auf dem Weg zu Falla-Ungur war, kam mir ein untersetzter älterer Herr entgegen, der murmelte: "Des ist vielläicht o Schääiß-Portie." Ganz so schlimm war es nicht, aber insbesondere Ungur wirkte schon arg lustlos.
Hrbaty und Berrer hatten da mehr Pepp. Hrabaty gewann dank seiner technischen Überlegenheit. Dem wusste Berrer zwar in lichten Momenten per Ass seine pure Masse von zwei Zentnern entgegenzusetzen, aber am Ende scheiterte er an seinen Schnürsenkeln und an Hrbatys Bruder oder Schwager oder so. Berrer war unentwegt damit beschäftigt, sich den linken Schuh zuzubinden. Beim 4:4 im Tie-Break des zweiten Satzes setzte er sich auf seinen Stuhl unterhalb des Schiedsrichters, und ich dachte schon, jetzt kommt gleich der Physiotherapeut und das Spiel ist vorbei. Dann aber verkündete der Schiedsrichter: "Michael Berrers Schuhband ist gerissen. Herr Berrer erhält nun die nötige Zeit, um das Schuhband auszutauschen." Aber auch der neue Schnürsenkel half anscheinend nicht weiter und löste sich mindestens zwei weitere Male.
Und dann war da noch der enthusiastische Verwandte von Dominik Hrbaty, der in der ersten Reihe hinter der Grundlinie saß und jedes Mal laut "Bravo" rief, wenn Dominik wieder Mal einen Rückhand-Slice so flach übers Netz geschleudert hatte, dass Berrer nicht mehr rechtzeitig nach unten kam. Kurz nachdem Berrer in einem Aufschlagspiel vier Doppelfehler machte und mithin ein Break kassierte, ging er auf den Bravo-Rufer los und schrie: "What's your mission?" Der Bravo-Rufer antwortete nicht oder jedenfalls nicht so laut, dass seine Antwort im ganzen Saal zu hören gewesen wäre. Da ergänzte Berrer: "I mean now you can shut up." Den Angesprochenen focht das nicht weiter an, allerdings errang Berrer einen Teilerfolg: Die Bravo-Rufe wurden tatsächlich weniger, weil der Rufer nun damit befasst war, sich bis zum Ende der Begegnung und darüber hinaus über den Vorfall zu beömmeln.
Hier die Ergebnisse aus der Qualifikation in Wien (PDF)
Zum 4. Advent
Vor 5 Stunden