Sonntag, 13. Dezember 2009

Gemischtes Doppel bei Olympia: Auf den Spuren von Hazel Wightman und Richard Williams

Kleines Adventsrätsel: Welches dieser Paare passt nicht zu den anderen?

Sania Mirza und Mahesh Bhupathi,
Liezel Huber und Bob Bryan,
Anna-Lena Grönefeld und Mark Knowles,
Carly Gullickson und Travis Parrott,
Lee Yong-Dae und Lee Hyo-Jung.

Lee Yong-Dae und Lee Hyo-Jung sind aktuelle Olympiasieger im Mixed, die anderen vier Paare nicht. Im Badminton ist das gemischte Doppel seit 1996 olympisch. Weil ich vom Spitzenbadminton nicht viel verstehe, kann ich nur ungeprüft glauben, dass in dieser Sportart das Mixed einen sehr hohen Stellenwert hat und als taktisch besonders anspruchsvoll gilt. Unter den oben aufgezählten aktuellen Grand-Slam-Titelträgern befinden sich zwar ein paar herausragende Doppelspezialisten, aber zum Beispiel die US-Open-Gewinner Carly Gullickson und Travis Parrott sind im Einzel oder im gleichgeschlechtlichen Doppel eher zweite oder dritte Wahl.

Im Tennis hat das Mixed bislang die Rolle eines Pausenfüllers ohne großen Wert. Ich behaupte rundheraus, dass in Deutschland selbst viele eingefleischte Tennisfans keine Ahnung davon haben, dass Anna-Lena Grönefeld amtierende Wimbledonsiegerin ist. Wahrscheinlich erinnern sich mehr Leute daran, dass Britta Heidemann letztes Jahr in Peking Gold im Degenfechten gewann und Sabine Spitz im Mountainbike-Fahren, also in Sportarten, für die es eines gewissen Rechercheaufwands bedarf, wenn man beweisen will, dass sie außerhalb von olympischen Spielen überhaupt irgendwo auf der Welt ausgeübt werden.

Die letztes Olympiasieger im gemischen Tennisdoppel waren – laut Wikipedia - Hazel Wightman und Richard Williams 1924 in Paris. Am diesem Donnerstag nun beschloss das IOC, dass das gemischte Doppel ab 2012 in London olympisch ist.

Ein ebenso kühner wie schöner Schritt, wie ich finde. Im Gegensatz zu den Disziplinen Fechten und Mountainbike-Fahren, die – unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit – von den Weltklasseathleten natürlich ganzjährig betrieben werden, findet das gemischte Doppel im Weltklassetennis tatsächlich kaum statt. In London werden also Sportler in einer Disziplin antreten, die sie selbst nur ausgesprochen sporadisch ausüben. Man kann die existierenden Profiturniere an einer Hand abzählen: Jeweils 32 Männer und Frauen spielen es bei den vier Grand-Slam-Turnieren, jeweils acht Männer und Frauen treten Anfang Januar für ihre Länder beim Hopman-Cup in Perth auf, wo sie sich für die Australian Open aufwärmen, wo wiederum die meisten dieser 16 Spieler/innen auf einen Start im Mixed verzichten, um sich auf die wichtigen Wettbewerbe zu konzentrieren. Weltranglistenpunkte sind im Mixed nirgends zu verdienen.

Dabei glaube ich, dass Mixed auch für Zuschauer eine spannende und interessante Sache ist. Das ist allerdings eine bloße Vermutung, denn außer kurzen Zusammenfassungen mit ein paar Ballwechseln von Hopman-Cup oder alle Jubeljahre mal von einem Grand-Slam-Endspiel habe ich noch nie eines der seltenen Profimatches im gemischten Doppel zu sehen.

Dabei ist im wirklichen Leben, dort, wo es nicht um ATP- und WTA-Punkte geht, das gemischte Doppel eine ganz alltägliche Sache. Es gibt sogar deutsche Meisterschaften. Gestern war das Endspiel. Nicola Geuer (TC BW Neuss) und Peter Torebko (Ratinger TC GW) schlugen Angelika Roesch (TC BW Ludwigshafen) und Marcel Zimmermann (TC Großhesselohe) mit 3:6, 6:1, 10:6. Für London 2012, diese Prognose darf man wagen, wird niemand von diesen vieren nominiert werden. Da werden die richtigen Profis hinfahren.

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