Sonntag, 27. Dezember 2009

13 Männer, die älter sind als Rainer Schüttler

Unter dem Stichwort „Tennis“ setzte der Sport-Informationsdienst (sid) über die Weihnachtsfeiertage genau eine Meldung ab: Rainer Schüttler jetzt ältester Spieler auf der ATP-Tour. Die Nachricht haben die Agenturleute clever im Köcher gelassen, um während der Saisonpause etwas zu haben, das sie auf den Markt werfen können: „Nach dem Rücktritt des Franzosen Fabrice Santoro geht der Korbacher Tennis-Profi Rainer Schüttler im Januar als der älteste Spieler der ATP-Tour in die Saison 2010.“

Schüttler (33 Jahre, Platz 85) ist in der Tat der älteste Spieler unter den ersten 100 der Weltrangliste, sofern man sich Fabrice Santoro (37 Jahre, Platz 68) wegdenkt. Damit ist er der älteste Profi, der Woche für Woche um den Erdball reist und im Einzelwettbewerb zu den großen ATP-Turnieren antritt. Der älteste Spieler auf der ATP-Tour ist er aber lange nicht. Da wären zum einen die Doppelspezialisten zu nennen, die traditionell ein paar Jahre länger durchhalten als die Spieler im Einzel, zum anderen gibt es ein paar Teilzeitprofis weit jenseits der Top 100, die hier und da eine Wild Card akzeptieren oder dann und wann eine Qualifikation für ein ATP-Hauptfeld überstehen werden.

Ich habe mal versucht zusammenzustellen, wer wirklich die ältesten Spieler sind, die im neuen Jahr auf ATP-Turnieren auftauchen dürften. Vielleicht habe ich den einen oder anderen übersehen. Rainer Schüttler wurde am 25. April 1976 geboren. Vor diesem Termin erblickten das Licht der Welt:

1. April 1975 - George Bastl
Schweiz, Nr. 525 im Einzel, Nr. 251 im Doppel
Wahrscheinlich werden wir den Schweizer aus Chicago, ehemals die Nr. 73, im Jahr 2010 nicht mehr auf der Tour sehen. Ich habe aber nirgends einen Hinweis darauf gefunden, dass er seine Karriere offiziell beendet hätte. 2009 hat er bis November fleißig Turniere bestritten, aber mit immer geringer werdendem Erfolg. Nachtrag: George Bastl macht tatsächlich weiter! An diesem Wochenende (2./3. Januar) tritt er zur Qualifikation für das ATP-Turnier in Chennai (Indien) an.

31. März 1975 - Alexander Waske
Deutschland, Nr. 275 im Doppel
Der langjährige Davis-Cup-Kämpfer will nach langer Verletzung ein Comeback versuchen. In Chennai (Indien) ab dem 4. Januar und danach bei den Australian Open tritt er im Doppel mit Rainer Schüttler und im Einzel in der Qualifikation an.

23. Februar 1975 - Bohdan Ulihrach
Tschechien, ohne Ranglistenplatz
Nicht auszuschließen, dass der alte Tscheche tatsächlich noch mal irgendwo auftaucht. In diesem Jahr hat er sein Glück auf drei Challengern in Polen, Tschechien und der Slowakei versucht, konnte aber nirgends punkten. Ulihrach war mal die Nummer 22. Schlagzeilen machte er zuletzt 2003, als er wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt wurde.

19. Juli 1974 - Vince Spadea
USA, Nr. 296 im Einzel
Offiziell scheint er seine Karriere nicht beendet zu haben. Trotzdem: Wahrscheinlich war 2009 sein letztes Jahr auf der Tour. Bis vor einem halben Jahr war er ein Top-100-Spieler, aber seither hat er fast jedes Match verloren. Auf der Meldeliste der Qualifikation für die Australian Open im Januar taucht sein Name nicht auf.

7. Juni 1974 Mahesh Bhupathi
Indien, Nr. 7 im Doppel
Einer der beiden indischen Doppel-Olympiasieger von 1996 auf dieser Liste. Vor ein, zwei Jahren schien er schon fast am Ende zu sein. 2009 ist er mit Mark Knowles (Bahamas) noch mal ziemlich weit nach oben gekommen. Für das neue Jahr (mit Max Mirnyi, Weißrussland) bin ich da etwas skeptisch.

11. Mai 1974 - Simon Aspelin
Schweden, Nr. 23 im Doppel
Von Simon Aspelin hört man im Moment fast nichts, man hört aber auch nichts von Rückzugsplänen. Mit seinem letzten Doppelpartner Paul Hanley (Australien) schien es nicht so richtig rund zu laufen.

29. April 1974 - Julian Knowle
Österreich, Nr. 21 im Doppel
Der österreichische Davis-Cup-Spieler wechselt in der neuen Saison wie so viele andere Doppelspezialisten auch den Partner. Sein neuer Kamerad Robert Lindstedt (Schweden) ist mit 32 Jahren fürs Doppel ein nachgerade junger Hüpfer.

11. Januar 1974 - Michael Kohlmann
Deutschland, Nr. 58 im Doppel
Ganz unauffällig hat sich Michael Kohlmann auf diese Liste geschlichen. Nächster Auftritt Anfang Januar im Doppel mit Alexander Peya (Österreich) in Chennai (Indien).

17. Juni 1973 - Leander Paes
Indien, Nr. 8 im Doppel
Noch ein indischer Doppel-Olympiasieger von 1996. Er scheint im neuen Jahr weiterzumachen mit seinem derzeitigen Partner Lukas Dlouhy (Tschechien).

4. September 1972 - Daniel Nestor
Kanada, Nr. 3 im Doppel
Einer der überragenden Doppelspieler des vergangenen Jahrzehnts. Mit ihm und Nenad Zimonjic (Serbien) wird wohl auch im nächsten Jahr bei allen großen Turnieren zu rechnen sein.

1. August 1972 - Martin Damm
Tschechien, Nr. 29 im Doppel
Vor urlangen Zeiten war Martin Damm mal ein respektabler Einzelspieler (1997 auf Platz 42). Fürs Doppel reicht es noch und soll es auch im nächsten Jahr noch reichen, demnächst zusammen mit dem Jungspund Filip Polasek (24) aus der Slowakei.

12. September 1971 - Younes El Aynaoui
Marokko, ohne Platzierung
Younes El Aynaoui, ehemalige Nummer 14 der Welt, hat sein letztes Profiturnier im September 2008 bestritten. Jetzt hat er eine Wild Card für das Turnier in Doha (Katar) bekommen, das am 4. Januar beginnt. Mal schauen, ob er da wirklich auftaucht.

4. September 1971 - Mark Knowles
Bahamas, Nr. 5 im Doppel
Einer der beständigsten Doppelspieler des abgelaufenen Jahrzehnts orientiert sich noch mal neu: Im nächsten Jahr will er regelmäßig mit dem US-Amerikaner Mardy Fish antreten.

1. März 1971 - Dick Norman
Belgien, Nr. 15 im Doppel, Nr. 305 im Einzel
Dick Norman gurkt seit bald 20 Jahren auf Challenger-Turnieren rum und schaffte erst in diesem Jahr im Doppel den Durchbruch in die Weltspitze, als er (mit Wesley Moodie) erst das Endspiel der French Open und dann das Halbfinale in Wimbledon erreichte. 2010 will er mit dem Bayern Christopher Kas (29) spielen. Der erste gemeinsame Auftritt ist Anfang Januar in Doha (Katar).

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schöne Auflistung! Da hat sich aber jemand Mühe gemacht.

Anonym hat gesagt…

Sehr interessanter Beitrag, vielen Dank, der sid Artikel hatte mich auch ein bißchen irritiert.
(Außerdem wird Santoro wohl bei dem einen oder anderen Turnier noch antreten, das hat er schon öfter angedeutet.)

loreley hat gesagt…

Wie wäre es mit Younes El Aynaoui? 38 Jahre alt. Er spielt mit einer Wildcard in Doha. Ich habe es erst nicht geglaubt, aber sein Name findet sich im Draw.

Zack hat gesagt…

Ich glaube, Younes El Aynaoui ist schon drauf auf der Liste! :)
Ich hatte nämlich schon letzte Woche gelesen, dass er angeblich Doha spielen will.

loreley hat gesagt…

Da siehst Du, wie gründlich ich lese. Ich war sicher, dass Du ihn nicht aufgeführt hast. Aber ich war natürlich zu faul, nocheinmal nachzusehen.

Younes war immer einer meiner Lieblingsspieler. Ich hatte auch schon früh davon gehört, dass er eine Wildcard bekommen soll.

Zack hat gesagt…

Und jetzt hat er sogar gewonnen, der alte Younes. 7:6 7:6 gegen Ryler Deheart

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