Sonntag, 4. Oktober 2009

Olympia 2016: Tennis wird eine große Nummer

1010 Goldmedaillen gewannen Athleten aus den Vereinigten Staaten von Amerika seit 1896 bei Olympischen Spielen. 518 Medaillen gewannen die Deutschen. Brasilianer gewannen 20. Bei 190 Millionen Einwohnern ist das eine ausgesprochen mäßige Ausbeute. Dafür waren die Brasilianer fünfmal Fußball-Weltmeister, die Deutschen nur dreimal und die US-Amerikaner noch nie.

Fußball scheint der einzige Sport zu sein, der in Brasilien ernsthaft betrieben wird. Ein paar Autorennfahrer von Nelson Piquet bis Felipe Massa gibt’s dann noch. Die Formel 1 aber ist nicht olympisch und Fußball irgendwie auch nur so halb. Ein Wunder, dass man sich in Rio de Janeiro nun so sehr freut, die Olympischen Spiele 2016 austragen zu dürfen. Präsident Lula heulte Rotz und Wasser, als die Entscheidung am Freitag in Kopenhagen gefallen war. Dann fand er sich in inniger Umarmung mit seinem wichtigsten Sportbotschafter, natürlich einem Fußballer: Pele.

Aber in Kopenhagen war noch einer dabei, der beim IOC für Rio warb: Gustavo Kuerten, der dreifache French-Open-Sieger mit rheinischer Oma. Das brasilianische Tennis der Nach-Kuerten-Ära ist zwar noch schwächer als das deutsche der Nach-Becker-Stich-Ära, Tennis ist in Brasilien aber nach wie vor eine der beliebtesten Sportarten nach dem Fußball. Deshalb wage ich einfach mal die Prognose: Bei den Olympischen Spielen 2016 wird Tennis im Mittelpunkt stehen wie noch nie zuvor. Hammerwerfen, Reckturnen und Kanufahren interessiert am Zuckerhut nämlich keinen. Die Leute werden außer Fußball alle nur Tennis gucken wollen (und Beachvolleyball auch). Ich war zwar noch nie in Brasilien und gebe diese Prognose daher ohne große Landeskenntnis ab, aber ich legte mir vor einiger Zeit mal eine Südamerikareise leichtsinnigerweise zeitlich so, dass sie zur Hälfte mit einer Hälfte der Olympischen Spiele zusammenfiel. Wenn ich mal ein Herbergszimmer fand, in dem außer dem vollkommen olympiafreien peruanischen Fernsehen (einziger bisheriger Goldmedaillengewinner: Edwin Vasquez Cam, Scheibenpistole 1948) das brasilianische lief, zeigten sie dort genau die drei eben genannten Sportarten: Fußball, Tennis, Volleyball.

Bemerkenswert finde ich auch, auf wie viele Brasilianern man in internationalen Tennisforen im Internet trifft. Tennis ist nach langer Unterbrechung erst 1988 wieder olympischen geworden und läuft im Programm meist mehr so nebenbei. Vielleicht interessieren sich die Londoner 2012 in London für Andy Murray, wenn der dann noch Erfolg hat. Das Kuriosum, dass wenige Wochen nach Wimbledon das olympische Tennisturnier wiederum in Wimbledon ausgetragen wird, könnte außerdem für ein gewissen Interesse sorgen.

Aber es gibt ja kaum Medaillen zu gewinnen. Bei Damen und Herren jeweils eine im Einzel und eine im Doppel. Zum olympischen Superstar mit acht Goldmedaillen in einer Woche, wie Michael Phelps vergangenes Jahr im Schwimmen, kann man als Tennisspieler nicht werden. In Rio aber wird Tennis eine der Disziplinen mit dem größten Zuschauerinteresse sein, und davon werden die internationalen Medien nicht ganz unbeeindruckt bleiben.

Für Prognosen, ob die Brasilianer in der Lage sein werden, ihren bisher 20 Goldmedaillen im Tennis eine 21. hinzuzufügen, ist es sieben Jahre vorher natürlich zu früh. Ein aufstrebendes Talent von Weltruf gibt es derzeit nicht. Wären die Olympischen Spiele jetzt, hätte höchstens das Doppel Marcelo Melo/Andre Sa eine Außenseiterchance.

Im Sinne der Weltgerechtigkeit wäre es übrigens angebracht, dass die ATP auch mal ganz unabhängig von Olympia ein großes Turnier ins tennisbegeisterte Südamerika vergibt. Bislang gibt es nur jeweils eine drittklassige 250er-Veranstaltung in Argentinien, Chile und Brasilien.

1 Kommentar:

Jelena hat gesagt…

André und Marcelo werden dann zu alt sein. Ich würde sagen, die Brasilianer könnten im Judo was machen 2016. Da sind sie jetzt schon ganz gut und haben auch, soweit ich das beurteilen kann, ganz guten Nachwuchs.

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