Montag, 21. September 2009

Vergesst die Inder nicht

Nun sind sie abgestiegen, die Österreicher. Mit Daniel Köllerer wäre das nicht passiert. Jedenfalls wäre das ohnehin knappe Davis-Cup-Relegationspiel in Chile ein anderes gewesen, wenn Teamkapitän Gilbert Schaller seinen zweitbesten, wenn nicht gar besten Mann nicht wegen notorischer Unflätigkeit zu Hause gelassen hätte.

Die Davis-Cup-Saison ist fast vorbei. Nur das Finale fehlt noch. Dort treffen vom 4. bis zum 6. Dezember Spanien und Tschechien aufeinander. Spanien ist Stammgast, die Tschechen haben es auch deshalb geschafft, weil Radek Stepanek seit 2007 wieder mitspielen darf, seinerzeit gegen den Willen des damaligen Teamchefs Cyril Suk, der daraufhin zurücktrat.

Nun aber blicken wir mal ins kommende Jahr. 16 Mannschaften spielen in der Davis-Cup-Hauptgruppe, neben Österreich sind an diesem Wochenende auch die Niederlande und Rumänien abgestiegen. Die Schweiz hat den Klassenerhalt geschafft, weil – wie schon so oft – im entscheidenden Spiel plötzlich Roger Federer mitmachte.

Zum Reglement: In der Relegationsrunde spielen die acht Verlierer der ersten Runde aus der Weltgruppe und die acht Sieger aus der zweiten Division. Setzliste und Auslosung für die Relegation sind unabhängig von der aktuellen Divisionszugehörigkeit. Es gibt also Begegnungen, in denen zwei Abstiegskandidaten gegeneinander spielen, Begegnungen, in denen zwei Aufstiegskandidaten gegeneinander spielen und solche, in denen ein Abstiegs- auf einen Aufstiegskandidaten trifft.

Mit zwei Ausnahmen blieben Erst- und Zweitligisten in diesem Jahr unter sich:

Erste Liga – Erste Liga
Niederlande – Frankreich 1:4
Schweden – Rumänien 3:2
Chile – Österreich 3:2

Erste Liga – Zweite Liga
Italien (2.) – Schweiz (1.) 2:3
Serbien (1.) – Usbekistan (2.) 5:0

Zweite Liga – Zweite Liga
Belgien – Ukraine 3:2
Brasilien – Ecuador 2:3
Südafrika – Indien 1:4

Außer in den Begegnungen, in denen die Zweitligisten unter sich waren, hat also keiner den Aufstieg geschafft. Belgien, Indien und Ecuador. Ein echter Hammer ist nicht dabei. Die Italiener mit Andreas Seppi und Simone Bolelli wären bei günstiger Auslosung für ein Halbfinale gut, aber sie trafen ja nun auf Roger Federer. Und Großbritannien hat es trotz schottischem Weltranglistendrittem nicht nur nicht einmal in die Relegation nach oben geschafft, sondern ist gestern sogar in die dritte Division abgestiegen. 2:3 gegen Polen. Andy Murray hat in Liverpool seine beiden Einzel zwar gewonnen. Aber einer allein reicht nun einmal nicht.

Unter den Aufsteigern sind die Belgier mit einem Haufen Spielern, die knapp in den Top 100 stehen, noch am ehesten konkurrenzfähig. Die Rochus-Brüder und Xavier Malisse haben ihren Zenit allerdings überschritten, vom unsteten Steve Darcis ist gelegentlich noch was zu erwarten. Immerhin scheinen die alten Recken mit zunehmendem Alter etwas abgeklärter zu werden. Dass Xavier Malisse vier Jahre nicht im Davis-Cup spielte, hatte wohl auch mit mannschaftsinternen Querelen zu tun.

Ecuador wird kaum eine Chance haben. Der Auswärtssieg im Südamerikaderby ist für Gegner Brasilien eine rechte Blamage. Mit Nicolas Lapentti haben die Ecuadorianer zwar eine Rainer-Schüttler-artige abgehalfterte Ex-Spitzekraft, die immer mal für einen kleinen Sieg gut ist, aber sonst eigentlich nichts. Nicolas Lapentti gewann seine beiden Matches, damit musste man aus brasilianischer Sicht noch rechnen. Aber dass Nicolas zusammen mit seinem Bruder Giovanni auch das Doppel gegen das brasilianische Weltklasse-Team Marcel Melo/Andre Sa gewinnen würde, war nicht eingeplant.

Und dann die Inder. Bei denen weiß man nie. Es gibt ja praktisch keine Inder in den Einzelkonkurrenzen des ATP-Turnierzirkus, aber wenn doch mal einer auftaucht, beschleicht mich immer wieder das Gefühl, die nehmen normale Turniere gar nicht richtig ernst. Aber wenn es drauf ankommt, dann sind sie da. Bei den olympischen Spielen 1996 in Atlanta gewann ein Leander Paes Bronze. In diesem Jahr beim ATP-Turnier in Chennai (Madras) kam ein Somdev Devvarman ins Endspiel. Und dann mögen sie ja Rasen, die Inder. Letztes Jahr im legendären Newport stand ein Prakash Amritraj im Endspiel. Also, wenn Indien ein Heimspiel auf Rasen hat, muss sich jeder Gegner warm anziehen. Als Indien 1987 ins Davis-Cup-Endspiel kam, war das Team nominell auch nicht so sehr viel stärker als heute.

Hier die Davis-Cup-Ergebnisse

Und jetzt nicht vergessen, bei der gestern eingestellten Umfrage oben auf der Seite über die Namen der Davis-Cup-Kapitäne mitzumachen, es sind einige wahre Preziosen dabei. Die Abstimmung endet am Tag der Bundestagswahl. Und dann verrate ich auch meinen Favoriten. Vorher nicht, man will das Ergebnis ja nicht beeinflussen.

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