Sonntag, 16. August 2009

Florian Mayer mit den elastischen Beinen schleicht sich voran



Es ist an der Zeit, mal wieder einen Blick auf Florian Mayer zu werfen, den Tennisspieler mit den elastischen Beinen. (Ich habe leider kein vernüftiges Video zur Hand, auf der seine Beinarbeit ordentlich zu erkennen ist, deshalb muss ersatzweise der sich ganz ähnlich bewegende Nico Haak aus Delft (1939-1990) herhalten.

Vor fast genau einem Jahr hatte ich an dieser Stelle schon einmal einen Artikel über Florian Mayer.

In der ersten Jahreshälfte 2008 hatte er fast kein Match gewonnen und langsam die Lust am seinem Beruf verloren. Er nahm sich ein halbes Jahr Auszeit, offiziell wegen einer Fingerverletzung, die aber offenbar in Wirklichkeit gar nicht so dramatisch war.

Jetzt spielt er seit bald acht Monaten wieder. Erwähnt hatte ich ihn schon im Januar in meinen kurzen Eindrücken live aus Heilbronn. Danach verschwand Mayer scheinbar wieder von der Bildfläche. Er spielte ausschließlich Challenger-Turniere, wovon kein internationales Fernsehen berichtet und was in keiner Ergebnisspalte in der Zeitung auftaucht. Heute stand er wieder einmal in einem Challenger-Finale. In Istanbul unterlag er Ilja Martschenko aus der Ukraine (4:6, 4:6). Es war Florian Mayers fünftes Challenger-Finale in diesem Jahr. Er ist kurz davor, in der Weltranglisten wieder unter die ersten 100 zurückzukehren.

Dass einer wie er überwiegend Challengers spielt, liegt nahe. Da kann er Ranglistenpunkte sammeln und ist ohne Qualifikation im Hauptfeld. Das Erstaunliche aber ist: Mayer scheint zwar wieder Lust auf Tennis zu haben, seine Lust auf das Rampenlicht der ATP-Tour hält sich aber in engen Grenzen. Ein einziges Mal, bei den Australian Open im Januar, nahm er an der Qualifikation für ein Turnier oberhalb der Challenger-Serie teil. Er schaffte erst die Quali und dann die zweite Runde im Hauptfeld. Für das ATP-Turnier in Hamburg im Juli bot man ihm eine Wild Card an, die er wohl nicht ablehnen konnte. Wieder schaffte er die zweite Runde.

Für jemanden, der schon einmal im Viertelfinale von Wimbledon stand (2004) und zweimal im Endspiel eines ATP-Turniers (Sopot/Polen 2005 und 2006) ist diese Scheu bemerkenswert. Schon vor seiner Spielpause war kein anderer Top-50-Spieler annähernd so häufig auf Challengern zu Gast wie Florian Mayer. „Bei einem ATP-Turnier muss ich mindestens in Viertelfinale kommen, um so viele Punkte zu machen wie mit einer Finalteilnahme bei einem Challenger“, begründete er das. Ganz schlüssig ist das nicht, denn was will er überhaupt mit all den Punkten, wenn er sich dazu nutzt, in große Turniere hineinzukommen. Der Kerl will einfach nicht ins Rampenlicht.

Ich erinnere mich an eine Fernsehübertragung vom Davis-Cup Südafrika-Deutschland, während der der Kommentator über einen der südafrikanischen Spieler – Moodie oder De Voest - sagte: „Der fühlt sich überwiegend auf der Challengertour wohl.“ Co-Kommentator Alexander Waske fiel ihm umgehend ins Wort: „Dass er sich da wohl fühlt, glaube ich nicht. Er muss sie halt spielen, weil es für mehr nicht reicht.“
Florian Mayer ist die große Ausnahme. Der fühlt sich pudelwohl in Braunschweig und Karlsruhe, Busan und Noumea. Also, lieber Leser, wenn in deiner Nähe mal ein Challengerturnier ausgetragen wird, unbedingt hingehen. Florian Mayer zuzugucken, ist nämlich wirklich ein Vergnügen. Mit dieser These begebe ich mich auf dünnes Eis, einige finden seinen unorthodoxen Stil eher unansehnlich, ich aber bin ein großer Fan seiner elastischen Beine und seiner eingesprungenen unterschnitteten Rückhand.

Aber er muss aufpassen: Wenn er in diesem Jahr noch ein oder zwei Challenger gewinnt, dann ist er im Ranking so gut platziert, dass er zur Teilnahme an den Grand Slams verpflichtet ist. Hoffentlich erinnert er sich dann daran, dass das mit dem Wimbledon-Viertelfinale damals eigentlich auch ganz nett war. Möglicherweise käme er dann sogar mal wieder ins Fernsehen. Möglicherweise fänden sich irgendwann sogar brauchbare Studien seiner elastischen Beine auf Youtube. Das wiederum wäre schade, denn Schmidtchen Schleicher als Ersatz ist doch auch ganz putzig.

Hier das ATP-Profil von Florian Mayer

1 Kommentar:

jmg hat gesagt…

In Hamburg hatte er beklagt, dass er gerne mehr ATP level gespielt hätte, aber keine Wildcards bei den deutschen Turnieren bekommen würde. Ich denke damit war vor allem Stuttgart gemeint, deren WC an Koubek(/Greul/Berrer) ein Witz war falls Mayer auch eine wollte. Über Hamburg sagte er dann noch ironisch, dass er die WC wegen seines DM-Titels bekommen musste, ansonsten hätte er womöglich auch da keine bekommen.

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