Sonntag, 30. August 2009

Achtung, Insider-Alarm! Die US Open haben Angst vorm Getwitter

Andy Roddick findet die Sache urkomisch, und je mehr ich darüber nachdenke, desto kringeliger lache auch ich mich: Morgen beginnen die US Open, und die Veranstalter machen sich große Sorgen wegen der Gefahren, die von einem neuen Kommunikationskanal ausgehen: dem Twittern.

Die Spieler werden dringend aufgefordert, mit ihren Handys keine Internet-Kurznachrichten über ihr wertes Befinden, das Befinden ihrer Kollegen oder andere „Insider-Informationen“ zu schreiben. Begründet wird das mit „Anti-Korruptions-Regeln“. Dabei geht es um das heikle Thema Wettbetrug.

Andy Roddick twittert, er könne ja noch verstehen, dass er vielleicht nicht unbedingt während eines Spiels twittern sollte. Er sei sich aber „nicht sicher, ob sie uns vorschreiben können, was wir in unserer Freizeit tun“. Twittern während eines Spiels, das hat es übrigens schon gegeben. Justin Gimelstob tat das während seines Doppel-Erstrundenmatches neulich in Newport, Rhode Island. Die Sache entpuppte sich allerdings als Mogelpackung. Gimelstob reichte sein Handy weiter an seinen Kumpel, der in der ersten Reihe saß, und der schrieb dann die Twitter-Meldungen. Insider-Informationen entdeckte ich dort nicht.

Nun schauen wir uns mal an, was eine Insider-Information ist. Dazu greifen wir zum bundesdeutschen Wertpapierhandelsgesetz, Paragraph 13 (die US-Definition dürfte ähnlich lauten): „Eine Insiderinformation ist eine konkrete Information über nicht öffentlich bekannte Umstände, die sich auf einen oder mehrere Emittenten von Insiderpapieren oder auf die Insiderpapiere selbst beziehen und die geeignet sind, im Falle ihres öffentlichen Bekanntwerdens den Börsen- oder Marktpreis der Insiderpapiere erheblich zu beeinflussen.“ ( „Insiderpapiere“ sind im vorhergehenden Paragraphen definiert, das können alle regulär zum Handel zugelassenen Aktien sein.)

Statt um Aktienhandel geht es bei den US Open natürlich um Sportwetten. Die Spieler sollen also keine geheimen Informationen twittern, die im Falle ihres Bekanntwerdens die Wettquoten erheblich beeinflussen. Nun dreht es sich beim Verbot des Insiderhandels nicht darum, dass die Informationen, die den Kurs beeinflussen können, für alle Zukunft geheim zu halten sind, sondern es dreht sich darum, dass die Informationen nicht zum Spekulieren genutzt werden dürfen, solange sie geheim sind.

Ähnliches gilt auch für die Sportwetten: Wenn ich die geheime Information habe, dass ein Spieler verletzt ist, ist es nicht anständig, diese Information fürs Wetten zu nutzen. Aber was hat das mit dem Twittern zu tun? Twitter-Nachrichten sind öffentlich. Sobald ich eine Information getwittern habe, ist sie keine Insider-Information mehr. Man könnte höchstens der Ansicht sein, es sei ungerecht, dass einige Leute diese Twitternachricht lesen und andere nicht. Wenn die besorgten Funktionäre in Flushing Meadows dieser Ansicht sind, ist davon auszugehen, dass sie noch ein paar andere Maßnahmen ergreifen, um das Sportwettgeschäft gerechter zu machen.

Es gibt ja nicht nur Spieler, die twittern, es gibt noch viel mehr Spieler, die auf ihrer Internetseite ein Tagebuch führen. Auch dort plaudern sie über ihre täglichen Erlebnisse, schreiben über verspannte Nacken, schlechten Schlaf oder gutes Essen. Alles potenzielle Insider-Informationen.

Desweiteren gibt es Fernseh-Liveübertragungen von den Spielen (Eurosport überträgt ab Montag, 2 Uhr). Da sind Spieler in Großeinstellung zu sehen, wie sie ihr Gesicht verziehen, weil sie nach einer falschen Bewegung Rücken haben. Insider-Information! Also brauchen wir ein Fernsehverbot oder als weniger weitreichende Maßnahme wenigstens Gesichtsmasken für alle Spieler.

Dann gibt es die Pressekonferenzen, an denen teilzunehmen die Turnierveranstalter ihre Spieler widersinnigerweise sogar verpflichten. Dabei sind sie dort einer Horde von Reportern ausgesetzt, die unentwegt Fragen zu potenziellen Insiderinformationen stellt. Also Pressekonferenzen in Zukunft entweder ohne Fragesteller oder gleich ganz abschaffen.

Sogar die gute alte Zeitung stellt ein Problem dar. Da stehen nicht nur Berichte von den Pressekonferenzen drin, das gibt es auch ganze Spalten voll mit Ergebnissen. Da steht dann Schütter-Serra 6:4, 6:0. Daraus könnten Insider, die das lesen, schließen, dass Schüttler gut in Form ist oder aber Serra nicht so gut. Irgendwie ist die ganze Welt eine reine Insiderinformation.

Der beste Teil der Geschichte, findet Andy Roddick, ist dies: „Als ich auf die Internetseite der US Open gegangen bin, habe ich da einen Link zu meiner Twitter-Seite gefunden. Außerdem bieten sie ein iPhone-App für ihre eigene Twitter-Seite an. Das fand ich lustig.“

1 Kommentar:

Franko hat gesagt…

Sehr interessanter Bericht! Danke für diese Infos.US-Open ist ja echt cool! Toller Blog, weiter so!

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