Sonntag, 10. Mai 2009

Richard Gasquet: Zwei Jahre Sperre wegen Koks?



Die Bilder in diesem Youtube-Clip passen nicht ganz zu dem Lied von Udo Lindenberg, finde ich, aber man muss halt nehmen, was man findet.

Die Geschichte von Bodo Ballermann ist mehr eine wie die des sanften Richard Gasquet. Als er 18 war, wurde er als zukünftige Nummer 1 gefeiert. Damals kam er beim Masters-Turnier in Hamburg ins Finale. Mit 19 war er die Nummer 12, mit 21 die Nummer 7.

Jetzt ist er bald 23 Jahre alt und steht auf Platz 23. Weiter nach oben wird er in absehbarer Zeit kaum kommen. Ihm droht eine Dopingsperre, denn er wurde er neulich in Miami positiv auf Kokain getestet. Das berichtete am Wochenende die französische Sportzeitung L'Equipe, und vorhin hat Gasquet selber die Nachricht bestätigt. Er sagt, er wolle seine Unschuld beweisen. Gelingt ihm das nicht, könnte er bis zu zwei Jahre aussetzen müssen.

Der Tennis-Weltverband ITF, der für die Dopingkontrollen zuständig ist, hat sich bisher nicht geäußert. Gut vorstellbar, dass er das in diesem Jahr auch nicht mehr tun wird. Die Mühlen dort mahlen extrem langsam. Die letzte Dopingsperre, die die ITF ausgesprochen hat (gegen die US-amerikanische Doppelspeziaistin Courtney Nagle), ist auf den 2. April datiert, und es geht darin um ein Vergehen aus dem Juli vergangenen Jahres. Im August hatte die ITF mal angekündigt, ihre Verfahren zu beschleunigen. Bisher ist daraus nichts geworden. Bisher ist es allerdings noch nicht vorgekommen, dass das Ergebnis einer Dopingprobe vorzeitig durchgesickert ist und dass ein Spieler, von dem jeder weiß, dass er vermutlich bald gesperrt wird, monatelang weiterspielt.



DER SPIEGEL




Seinen Start beim Turnier in Miami, wo die Dopingprobe genommen wurde, hatte Gasquet unmittelbar vor seinem ersten Match wegen einer Schulterverletzung abgesagt. (Für ihn rückte der Deutsche Björn Phau als Lucky Loser ins Hauptfeld.) In Barcelona und Rom hat Gasquet dann allerdings wieder gespielt. Diese Woche in Estoril (Portugal) sagte er ab, weil er Ellenbogen hatte. Auch das Masters in Madrid, das heute begonnen hat, hat Gasquet abgesagt.

Auf Kokain stehen zwei Jahren Sperre. Der inzwischen zu einer Haftstrafe verurteile Maximilian Abel hat diese zwei Jahre bekommen, ebenso Martina Hingis, die daraufhin ihre gerade wieder begonnene Karriere neuerlich beendete. Es wird schwierig werden für Gasquet, mit weniger davonzukommen. Soweit ich es bisher habe herausfinden können, sind für Kokain keine Ausnahmen vorgesehen, da hilft es auch nicht, dass Gasquet in Miami ja gar nicht zum Match angetreten ist.

Manche meinen, Richard Gasquet sei nicht so tennisverrückt, dass er sich zwei Jahre lang für ein Comeback fit halten würde. In zwei Jahren, mit 25 Jahren, wäre er noch jung genug für einen neuen Anlauf Richtung Weltspitze. Ich hoffe sehr, dass er ihn unternimmt. Aber vielleicht wird ihm ja auf Dauer auch das Partyfeiern langweilig und er trainiert dann stattdessen wieder mehr? Der Tennissport kann auf Ballkünstler wie ihn eigentlich nicht verzichten. Da draußen laufen schon genug Muskelprotze rum, von denen so mancher schon mit ganz anderen leistungssteigernden Substanzen erwischt wurde (und manch anderer nicht).

In den 1990er Jahren waren Koks-Sperren nach wenigen Monaten abgesessen. In noch tieferer Vergangenheit wurde gar nicht getestet. Mats Wilanders Reputation hat es nicht geschadet, dass er mit Koks erwischt wurde. Boris Becker erzählte 1996, dass unter Tennisprofis selbstverständlich gekokst werde: „Die Frage ist, ob die Spielergewerkschaft ATP eine Probe überhaupt positiv ausfallen lassen kann, weil dann die ganze Szene in Verruf gerät und die Sponsoren erst recht weggehen.“

Hier der immer wieder gern gesetzte Link zu meinem ersten Artikel über Doping im Tennis. Da steht auch ein Absatz zur Frage drin, ob Koksen denn nun wirklich Doping ist.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Sich wegen Kiffens eine Dopingsperre einzuhandeln, halte ich für reine Blödheit. " verstehe ich nicht so recht. Was ist daran blöd? Dass man gekifft hat oder dass Kiffen als Doping gilt?

Es ist schwer vorstellbar, dass Kiffen zu einer Leistungssteigerung auf dem Tennisplatz führt. Kiffen und Kraft- und Ausdauersport sind sicherlich nur schwer vereinbar.

Anders natürlich beispielsweise im Snooker. Ronnie O’Sullivan ist ja berühmt für sein Finalgewinn im Irish Masters auf Dope. Im Snooker ist eben auch eine Art von Genie gefragt, das sich ganz gut mit Joints versteht.

Aber selbst ein Federer würde auf Dope nur Schrott spielen.

zack hat gesagt…

Ich meine damit nicht, dass Kiffen an sich blöd ist. Aber als Profisportler vor einem Match zu kiffen, ist schon irgendwie blöd. Rrstens, weil man damit rechnen muss, sich eine Dopingsperre einzuhandeln, und zweitens, weil es einfach der Leistung nicht guttut.

loreley hat gesagt…

O'Sullivan wurde der Titel übrigens aberkannt. Der Mann leidet an Depressionen, das erklärt vielleicht sein manchmal bizarres Verhalten.

Gasquet streitet ab, bewusst Kokain konsumiert zu haben. Ob das nur eine Schutzbehauptung oder die Wahrheit ist, wird kaum herauszufinden sein.

Die Regeln betreffs dieser Partydroge sind zu hart. Eine kurze Strafe und 2 Jahre auf Bewährung würden auch reichen. Nicht, dass ich damit den Konsum von Kokain gutheissen will. Es ist eine bescheuerte Droge. Gasquet wird weder seine Jugend, noch seine vermeintliche Dummheit vor einer langen Sperre bewahren, wenn die B-Probe auch positiv ist.

Wirklich schade um ihn.

loreley hat gesagt…

Wenn er in einer Wettkampfpause was genommen hat, fällt die Strafe anscheinend doch geringer aus.

http://bazonline.ch/sport/tennis/Richard-Gasquet-provisorisch-gesperrt/story/13093456

Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de