Sonntag, 3. Mai 2009

Loblied auf Mischa Zverev

Das Masters-Turnier von Rom, sagt man, habe in Wahrheit gar keinen Sandplatz, es liege dort lediglich eine etwas dickere Staubschicht auf dem Hartplatz. Deshalb hat dort einst selbst Pete Sampras den Titel gewonnen, und Tommy Haas kam ins Finale.

In dieser Woche erreichte Mischa Zverev das Viertelfinale. Es ist das erste Masters-Viertelfinale in seiner Laufbahn. Der 21-jährige Hamburger ist einer der letzten Serve-und-Volley-Spieler, die auf der ATP-Tour rumlaufen. Dass er ausgerechnet in Rom groß rauskommt, bestätigt die These, dass der Sand dort nach wie vor schneller ist als andernorts.

Vor zwei Wochen kam ein anderer junger Deutscher ebenfalls als Qualifikant ins Viertelfinale eines Sandplatz-Masters, Andreas Beck in Monte Carlo. Beide hatten auch ein wenig Glück mit der Auslosung. (Beide gewannen gegen den meines Erachtens schwächsten aktuellen Top-Ten-Spieler, den von mir seit jeher unterschätzten Gilles Simon.)

Jetzt sind sie beide unter den ersten 60 in der Weltrangliste. An diesem Dienstag spielen Beck und Zverev gegeneinander – auf Münchener Standard-Sand. Da wird wahrscheinlich Beck gewinnen. Aber trotzdem: Mit Mischa Zverev ist in Zukunft zu rechnen, und zwar nicht nur auf schnellen Belägen. Dass er in Hamburg zu Hause ist, hat aus meiner Perspektive den Vorteil, dass ich ihn seit Jahren regelmäßig habe beobachten können. Das erste Mal war im Frühjahr 2005 beim Challenger in Lübeck. Damals war er 17 und auf Platz Fünfhundertirgendwas. Er kam ins Viertelfinale und verlor dort knapp gegen Alexander Waske, der zu jener Zeit ein Top-Hundert-Mann war. Der schnelle Teppich dort hatte aus den entlegensten Weltgegenden Halbprofis angelockt, die alle fast nur den Aufschlag beherrschten. Mischas Spielweise fiel dort nur insofern auf, als dass er zusätzlich auch den Volley beherrschte.

Ein paar Monate später sah ich ihn wieder. Diesmal auf Sand, bei der Qualifikation am Hamburger Rothenbaum. Mischa spielte gegen einen klassischen spanischen Sandkastenschaufler, Santiago Ventura, und verlor mit 5:7 im dritten Satz. Es war eines der skurrilsten Matches, dass ich am Rothenbaum je gesehen habe. Mischa ging konsequent nach dem ersten Aufschlag ans Netz, meistens auch nach dem zweiten – und verlor fast jedes Aufschlagspiel. Bei Venturas Aufschlag blieb er geduldig an der Grundlinie und wartete auf die Fehler seines Gegners – und schaffte reihenweise Breaks.

Später sagte Mischa mal, Serve und Volley sei sein Spiel, das habe er für sich gefunden und dem bleibe er treu. Für uns Zuschauer ist das spektakulär, und für seine Gegner kann das sehr unangenehm werden. Die kennen so etwas ja kaum noch. (Und dann spielt Mischa auch noch mit links.) Allerdings war er oft nur einen Satz lang unangenehm, dann hatten seine Gegner begriffen, was los ist, und drehten das Match.

Vor ein paar Monaten zog er daraus die Konsequenzen. Er geht noch immer viel ans Netz, aber seine Gegner können sich darauf nicht mehr blind verlassen. Und dass Mischa auch Grundlinie kann, das hat er ja schon damals bei den Aufschlagspielen von Santiago Ventura bewiesen.

Vorletzte Woche in Barcelona spielte er wieder gegen jenen Venura – und verlor wieder in drei Sätzen. So etwas wird ihm weiterhin passieren. Er überrascht uns seit Jahren mit starken Formschwankungen, und ich glaube irgendwie nicht, dass sich daran jemals etwas ändern wird.

In zwei Wochen spielt Mischa Zverev übrigens zum ersten Mal für Deutschland, beim World Team Cup. In dieser Woche in München probt er dafür im Doppel mit Nicolas Kiefer. Ganz selbstverständlich ist das nicht. Mischa hätte auch Russe werden können. Er wurde in Moskau geboren und seine Eltern spielten im Davis-Cup und im Fed-Cup für die Sowjetunion.

Hier die Ergebnisse aus Rom

Und hier ein Link zu Mischas nahezu täglichem Blog beim Hamburger Abendblatt

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