Sonntag, 19. April 2009

Andreas Beck: Endlich ein Ausreißer nach oben

Es gibt zwei junge Sportler mit sehr ähnlichen Internet-Adressen: www.andi-beck.de und www.andi-beck.com. Der mit dem .de ist in Deutschland etwas bekannter, der mit dem .com im Rest der Welt. Richtig berühmt sind sie beide nicht. Aber das ändert sich gerade. Im Februar brachte Jogi Löw nach der Halbzeit Andreas Beck für Hinkel. Im März nahm Patrik Kühnen Andreas Beck als fünften Mann mit zum Davis-Cup gegen Österreich.

Während Andreas Beck danach mit seinen Hoffenheimern den Anschluss in der Bundesliga verlor, gewann Andreas Beck erst ein Challenger-Turnier in Thailand, qualifizierte sich für das Masters in Monte Carlo, schlug dort erstmals in seiner Laufbahn einen Top-30-Spieler (nämlich Nicolas Kiefer) und zwei Tage später erstmals in seiner Laufbahn einen Top-Ten-Spieler (Gilles Simon). Danach zog er ins Viertelfinale ein. Natürlich auch dies erstmals in seiner Laufbahn. Morgen verbessert er sich in der Weltrangliste von Platz 89 auf Platz 60.

Ein Masters-Viertelfinale wird Andi Beck in diesem Jahr wahrscheinlich nicht noch mal erreichen, da gehört einfach auch Losglück dazu. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich zumindest in den Top 50 festsetzen wird. Wenn er sich nicht ein paar Mal verletzt hätte, hätte er sich vermutlich nicht erst mit 23 Jahren auf die ATP-Tour gespielt.

So, und jetzt geht es mit Textbausteinen aus dem Februar weiter (aus meiner gut versteckten Rubrik „Neu in den Top 100“):



"Dieses Foto ist vom Hamburger Rothenbaum-Turnier im Mai 2008. Vor dem Aufschlag steht Andreas Beck an der Linie, als wolle er gleich ein Ballett tanzen. Der Aufschlag selbst ist dann aber eigentlich ganz normal, und seine Spielweise auch. Er ist ein typischer deutscher Allrounder, der auf Sand, Hartplatz und Rasen zurechtkommt.

Seit heute, drei Tage vor seinem 23. Geburtstag am 5. Februar, steht Andreas Beck endlich dort, wo er schon lange hingehört: Unter den besten 100. Bei den Australian Open schaffte er die Qualifikation und gewann dann in der ersten Runde gegen einen australischen Wild-Card-Spieler. Das reichte, um von Platz 103 auf Platz 94 vorzurücken.

Andreas Beck ist schon seit Jahren einer der Hoffungsträger des deutschen Tennis. 2004 stand er im Junioren-Halbfinale der US Open. Ein Jahr später hatte er sich schon auf der ATP-Challengertour bei den Erwachsenen so gut wie etabliert, aber dann warfen zwei langwierige Rückenverletzungen ihn zurück. „Da kämpft man schon auch mit zweifelnden Gedanken und fängt zu Grübeln an“, erzählte er damals.

Vor fast einem Jahr habe ich ihn noch als „ewiges Talent“ bezeichnet. Aber spätestens seit seinem Viertelfinale beim Rasenturnier in Halle/Westfalen im Juni 2008 war klar, dass er sich nun auf der ATP-Tour etablieren würde. Zwei Wochen später spielte er in der ersten Runde von Wimbledon drei enge Sätze gegen Rafael Nadal. Bei den US Open schaffte er die zweite Runde. Im Laufe des vergangenen Jahres gewann er zwei Challenger-Turniere und erreichte bei zwei weiteren das Endspiel.

Wenn man sich seine Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr anschaut, dann wirkt das sehr konstant. Was ihm fehlen, sind die Ausreißer nach oben. Mal ein plötzlicher Turniersieg, wie Philipp Petzschner es in Wien geschafft hat, oder wenigstens mal ein Halbfinale. Dazu müsste er wohl wenigstens mal einen Top-50-Spieler schlagen. Das ist ihm bisher noch nicht gelungen. Aber jetzt, wo er unter den Top 100 steht, wird er auch häufiger auf großen Turnieren gegen solche Leute spielen, dann wird es irgendwann klappen."
(Ende der Textbausteine.)

Tja, und das hat jetzt ja alles geklappt mit dem Ausreißer nach oben und den Siegen gegen Top-50-Spieler. Woran Andi Beck noch arbeiten sollte, das ist sein Auftreten. Er sieht auf dem Platz nicht gerade wie einer aus, der seinen Gegner plattzumachen gedenkt. Andererseits ist es vermutlich gerade das der Grund, warum ich ihn so sympathisch finde.

Hier das ATP-Profil von Andi Beck
Und hier die Ergebnisse aus Monte Carlo (PDF)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Muss mal ein großes Lob loswerden: Echter Spitzenblog mit echtem Hintergrundwissen und nicht dem üblichen "blabla", das ich auch auf sport1 lesen kann.
Weiter so!!

jmg hat gesagt…

Andi hat allerdings auch massive Schwächen. Er spielt sehr eindimensional. Kein slice, keine dropshots, wenig Netzangriffe (sein Volley ist auch relativ schwach finde ich). Also generell ist wenig "touch" bei ihm im Spiel.

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