Sonntag, 1. März 2009

Davis-Cup - Erste Runde - Meine Tipps

Also gut, ich versuch's mal. Ich tippe heute alle acht Davis-Cup-Erstrunden-Begegnungen aus der Weltgruppe. Das Blöde am Tippen ist ja, dass die Qualität der Tipps so knallhart überprüfbar ist. Und was weiß ich schon von der Form der rumänischen Davis-Cup-Spieler?

Meine Tipps werden lauten 3:0, 3:1, 3:2 und nicht 4:1 oder 5:0. Denn sobald ein Land uneinholbar führt, sind die folgenden Matches sowieso keine ernsthaft betriebenen sportlichen Wettkämpfe mehr. Für Nicht-Fachleute: Gespielt wird am nächsten Wochenende (6. bis 8. März), vier Einzel, ein Doppel. Am Freitag spielt die Nummer 1 von Land A gegen die Nummer 2 von Land B und die Nummer 1 von Land B gegen die Nummer 2 von Land A. Am Sonnabend wird das Doppel gespielt, am Sonntag spielen Nummer 1 gegen Nummer 1 und Nummer 2 gegen Nummer 2. Die Reihenfolge der Matches am Freitag und Sonntag wird ausgelost.

Argentinien – Niederlande 3:0
in Buenos Aires auf Sand
Leichtes Spiel für die Vorjahresfinalisten. Die Argentinier können sich locker leisten, auf ihren besten Mann zu verzichten. Offiziell fehlt Juan Martin del Potro (Nr. 7), weil der Davis-Cup nicht in seinen Terminkalender passt. Die Spannungen im Team dürften aber wohl mitschuldig sein. Hollands einziger Top-100-Spieler Robin Haase ist seit einem halben Jahr verletzt. Ohne ihn sind die Niederlande in der Weltgruppe nicht konkurrenzfähig (und mit ihm auch nur mit Ach und Krach). Für Argentinien werden David Nalbandian (Nr.12) und Juan Monaco (Nr. 56) ihre Einzel gegen Spieler wie Jesse Huta Galung (Nr. 179) oder Thiemo de Bakker (Nr. 244) locker gewinnen. Im Doppel haben die Holländer Rogier Wassen, der immerhin auf der ATP-World-Tour spielt. Besser als der argentinische Fachmann Lucas Arnold Ker ist er aber auch nicht. Wenn die Argentinier im Gefühl des sicheren Sieges unkonzentriert spielen, könnte es im Doppel für einen Ehrenpunkt für die Holländer reichen, ich tippe aber, dass es nicht reicht.

Tschechien – Frankreich 3:2
in Ostrau auf Teppich
Eines der heißesten Matches der Runde. Mit meinem Tipp für die Tschechen lehne ich mich weit aus dem Fenster. Der Standard-Tipp dürfte Frankreich lauten. Die – Achtung! - „Breite in der Spitze“ ist nirgends so breit, hoch, groß oder was auch immer wie bei den Franzosen. Das Team besteht aus Gilles Simon (Nr. 8), Jo-Wilfried Tsonga (Nr. 10), Gael Monfils (Nr. 11), Richard Gasquet (Nr. 26). Einer von ihnen dürfte kurzfristig für Doppelspieler Michael Llodra Platz machen. Aber vier gute Spieler nützen nichts, wenn nur zwei antreten können. Und zwei ebenbürtige Kandidaten haben die Tschechen ja auch: Radek Stepanek (Nr. 16) und Tomas Berdych (Nr. 23). Mit Heimvorteil und auf schnellem Teppich werden die beiden drei ihrer vier Matches gegen Simon und Tsonga oder wen auch immer gewinnen. Notfalls könnte der dritte Punkt auch aus dem Doppel kommen. Mit Lukas Dlouhy haben die Tschechen da schließlich auch einen starken Spezialisten, der diesmal ausnahmsweise sogar zum Einsatz kommen könnte, um Berdych oder Stepanek für die Einzel zu schonen.

USA – Schweiz 3:0
in Birmingham (Alabama) auf Hartplatz
Die 16000 Plätze in der Birmingham-Jefferson Convention Complex Arena waren blitzschnell ausverkauft. Da dachten noch alle, Roger Federer würde mitspielen. Der hat sich aber nun ein paar Wochen Ruhepause verordnet – und damit den Schweizer Traum vom Davis-Cup-Titel für dieses Jahr beendet. Stanislas Wawrinka (Nr. 17) in guter Form könnte für Andy Roddick (Nr. 6) und James Blake (Nr. 13) zwar gefährlich werden, in diesem Jahr ist Stan aber noch nicht in Tritt gekommen. Über den zweiten Schweizer Einzelspieler Stephane Bohli (Nr. 147) brauchen wir gar nicht zu reden. Im Doppel sind die Bryan-Zwillinge sowieso haushoch favorisiert.

Kroatien – Chile 3:0
in Porec auf Hartplatz
Fernando Gonzalez (Nr. 18) hat am Freitag wegen einer Rückenverletzung abgesagt. Die Prognose „wahrscheinlich Kroatien“ kann man also in „mit Sicherheit Kroatien“ ändern. Marin Cilic (Nr. 19), Ivo Karlovic (Nr. 29) und Mario Ancic (Nr. 30) sind schlicht eine Klasse besser als Ex-Olympiasieger Nicolas Massu (Nr. 81) und Paul Capdeville (Nr. 94).

Schweden – Israel 1:3
in Malmö auf Hartplatz ohne Zuschauer
Ob aus Sicherheitsgründen oder politisch motiviert – der Stadtrat von Malmö hat beschlossen, wegen geplanter Proteste die Davis-Cup-Begegnung gegen Israel nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit zuzulassen. Kurzfristig nach Stockholm umzuziehen, war anscheinend organisatorisch nicht möglich.
Schweden spielt nicht nur ohne Publikums-Unterstützung, sondern auch ohne wettbewerbsfähige Mannschaft. Robin Söderling (Nr. 22) ist verletzt, Thomas Johansson auch, Doppelpapst Jonas Björkman hat seine Karriere beendet, und Joachim Johansson, der seine Karriere nach vielen Rückschlägen eigentlich schon beendet hatte, fühlt sich für Fünfsatzmatches noch nicht bereit. Spitzenspieler ist deshalb ein gewisser Björn Rehnqvist (Nr. 218). Das dürfte die schwächste schwedische Mannschaft seit der 0:5-Klatsche gegen Holland 1925 sein. Kapitän Mats Wilander plant statt für die Gegenwart für die Zukunft. Als Ersatz für Robin Söderling nominierte er nicht etwa einen der nächstbesten Spieler von der Rangliste wie Filip Prpic (Nr.349) oder Michael Ryderstedt (Nr. 350), sondern den 16-jährigen Daniel Berta, der auf der Erwachsenen-Weltrangliste noch überhaupt nicht geführt und bei den Junioren die Nr. 58 ist.
Trotzdem: Ich glaube, einen Punkt holen die Schweden. Israels Nummer 1 Dudi Sela (Nr. 65) gewinnt seine beiden Einzel natürlich. Aber Rehnqvist hat gegen Harel Levy (Nr. 238) ebenso eine Chance wie das absolut konkurrenzfähige schwedische Doppel Aspelin/Lindstedt gegen den in den letzten beiden Wochen berühmt gewordenen Andy Ram, dessen etatmäßiger Partner Jonathan Erlich verletzt ist.

Rumänien – Russland 2:3
in Sibiu auf Teppich
Bei den Russen fehlt die unumstrittene Nummer 1 Nikolai Dawidenko (Nummer 5 der Welt); dass er in der ersten Runde pausiert, steht schon seit langem fest. Auch der nominell zweite Mann Igor Andrejew (Nr. 24) gehört nicht zum Team. Ob das daran liegt, dass Kapitän Schamil Tarpischew meint, dass Andrejew kein Teppich kann, oder ob sachfremde Erwägungen vorliegen, hab ich nicht herausgefunden. Nun also führt der traditionell unstete Marat Safin (Nr. 25) das russische Team an. Das zweite Einzel spielt Dimitri Tursunow (Nr. 28) oder vielleicht Michail Juschni (Nr. 61). Das rumänische Team besteht im Wesentlichen aus Viktor Hanescu (Nr. 37). Der langjährige Spitzenmann Andrei Pavel hat seine Karriere nach den Australian Open beendet und ist jetzt Teamkapitän. Hanescu muss seine beiden Einzel gewinnen, denn der zweite Rumäne – Viktor Crivoi (Nr. 127) oder Adrian Cruciat (Nr. 174) hat wohl keine Chance. Die Russen sind schlechte Doppelspieler, deshalb hätte ich beinahe 3:2 für Rumänien getippt. Ich hab mich trotzdem ganz knapp für Russland entschieden, weil ich Hanescu nicht wirklich über den Weg traue. Der wird eines seiner beiden Einzel verlieren.


Deutschland – Österreich 3:2
in Garmisch-Partenkirchen auf Hartplatz
Einen Ausblick auf diese Begegnung habe ich schon letzte Woche geschrieben. Dazu ist zu ergänzen: Nicolas Kiefer ist nun doch im Team. Und bei den Österreichern muss man sich um Stefan Koubeks Verfassung keine Sorgen machen, das hat er diese Woche mit seinem Viertelfinale in Delray Beach (Florida) gezeigt. Wer bei den Deutschen was spielt, ist noch offen. Ich vermute: Nicolas Kiefer (Nr. 33) und Philipp Kohlschreiber (Nr. 39) im Einzel, Philipp Petzschner (Nr. 80) und Rainer Schüttler (Nr. 31) im Doppel. Am Freitag wird Kiefer Koubek schlagen und Kohlschreiber gegen Jürgen Melzer (Nr. 32) verlieren. Oder umgekehrt. Jedenfalls steht es dann 1:1. Am Sonnabend gewinnen Melzer und Julian Knowle das Doppel (Knowles Formkrise ist vorbei). Am Sonntag gewinnt Kiefer gegen Melzer, weil Kiefer gegen Melzer immer gewinnt (Bilanz 7:0) und dann muss Kohlschreiber gegen Koubek die Nerven behalten. 3:2 für Deutschland. Aber vielleicht spielt ja auch Rainer Schüttler im Einzel...

Spanien – Serbien 3:1
in Benidorm (Costa Blanca) auf Sand
Der Kracher der Runde. Rafael Nadal (Nr. 1) gegen Novak Djokovic (Nr. 3). Die Spanier haben Sandplatz gewählt, und das wird ihnen wohl den Sieg sichern. Auf Sand wird Nadal gegen Djokovic keine Probleme haben. Vielleicht gewinnt Djokovic gegen David Ferrer (Nr. 14), aber nur vielleicht. Der zweite Serbe – Viktor Troicki (Nr. 44) oder Janko Tipsarevic (Nr. 47) – wäre für Ferrer nur auf Hartplatz vielleicht unangenehm. Einen zweiten Punkt macht Serbien vielleicht im Doppel. Das spanische Stammdoppel Lopez/Verdasco ist gesprengt, weil Fernando Verdasco verletzt ist, und Serbien hat Nenad Zimonjic, der noch im Januar die Nummer 1 der Doppel-Weltrangliste war.

Hier das komplette Davis-Cup-Tableau

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Am Sonntag gewinnt Kiefer gegen Melzer, weil Kiefer gegen Melzer immer gewinnt" :-)) Dein Wort in Kiwis Gehörgang!!

Jelena hat gesagt…

Ich habe grade gelesen dass Petzsche für unser Match wegen einer Handgelenksverletzung ausfällt.

http://de.eurosport.yahoo.com/ticker/tickerhub.html?item=1861492

noko hat gesagt…

Wenn die Schweden doch vernünftige Doppelspieler haben, wieso setzt man nicht einen von ihnen auch im Einzel ein? Hätten die nicht zumindest bessere Chancen als die Nr. 200 im Einzel und vor allem als die Nr. 50 der Junioren?

zack hat gesagt…

Kann ich mir schon vorstellen, dass einer der beiden Doppelspieler bei den Schweden auch Einzel spielt. Aber besser als der Rehnqvist sind die auch nicht, denke ich.

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