Sonntag, 22. Februar 2009

Davis-Cup Deutschland - Österreich: Wer spielt denn nun?

Heute gibt es ausnahmesweise mal einen Sonntag mit zwei Artikeln. Ich konnte mich nicht entscheiden, welches Thema ich weglassen soll. Heute Abend folgen ein paar Thesen zum Eklat in Dubai. Dafür wird es in der zweiten Märzhälfte zwei Sonntage ganz ohne Artikel geben. Dann mache ich nämlich Urlaub.

Jetzt aber erstmal um die die Davis-Cup-Begegnung zwischen Deutschland und Österreich (6. bis 8. März in Garmisch-Partenkirchen). Am Dienstag geben die Kapitäne Patrik Kühnen (Deutschland) und Gilbert Schaller (Österreich) die Mannschaften bekannt. Höchste Zeit zu spekulieren, wer denn nun die vier Nominierten sein werden.

Fangen wir an mit Deutschland. Hier stehen folgende Spieler im Raum:
Rainer Schütter (Einzel Nr. 31/ Doppel Nr. 89)
Nicolas Kiefer (Einzel Nr. 33/ Doppel Nr. 228)
Philipp Kohlschreiber (Einzel Nr. 41/ Doppel Nr. 73)
Tommy Haas (Einzel Nr.61/ Doppel Nr. 287) hat abgesagt
Mischa Zverev (Einzel Nr. 76/ Doppel Nr. 54)
Philipp Petzschner (Einzel Nr. 81/Doppel Nr. 35)
Christopher Kas (Doppel Nr. 27)

Sicher ist: Philipp Kohlschreiber ist dabei, und Andreas Beck (Einzel Nr. 97) kommt als fünfter Mann zum Reinschnuppern und Mittrainiern mit. Bleiben fünf Kandidaten für drei Plätze: Rainer Schüttler, Nicolas Kiefer, Philipp Petzschner, Christpher Kas und Mischa Zverev. Tommy Haas hatte schon im Januar abgesagt.

Schüttler spielt seit seinem Wimbledon-Halbfinale zwar nicht herausragend, aber solide, und zwar sowohl im Einzel als auch im Doppel. An ihm geht wohl kein Weg vorbei.

Philipp Petzschner ist der beste Doppelspieler, den Deutschland hat, und zudem auch im Einzel zu gebrauchen. Der dürfte auch sicher dabei sein.

Nicolas Kiefer wäre so gut wie dabei, hätte ihn nicht ein doppelter Bänderriss Anfang des Jahres außer Gefecht gesetzt. Eigentlich hätte er ab morgen in Dubai wieder spielen wollen. Den Start hat er aber kurzfristig abgesagt. Warum, dazu hat er bislang nichts gesagt. Ich glaube nicht, dass Kühnen ihn ohne Spielpraxis mitnehmen wird.

Bleiben für den letzten freien Platz Mischa Zverev und Christopher Kas. Beide haben noch nie Davis-Cup gespielt, Kas war allerdings schon 2008 beim World Team Cup in Düsseldorf dabei. Kas ist ein reiner Doppelspezialist, der schon viel mit Philipp Petzschner und Philipp Kohlschreiber zusammen gespielt hat, aber auch schon mit Schüttler. Zverev hat mit keinen von den übrigen Kandidaten jemals zusammen gespielt. (Jedenfalls nicht bei einem Profiturnier.) Dafür ist Zverev (21) im Gegensatz zu Kas auch ein Kandidat fürs Einzel. Wenn es gegen einen übermächtigen Gegner ginge, wäre ich glatt dafür, Zverev im Einzel aufzustellen. Der kann nämlich an einem guten Tag nahezu jeden schlagen. Das Problem ist: Er kann an einem schlechten Tag auch gegen nahezu jeden verlieren (also auch gegen den zweiten österreichischen Einzelspieler). Insgesamt sehe ich einen leichten Vorteil für Kas. Zverev mitzunehmen, wäre aber nicht weniger vertretbar.

Im Einzel würden dann Philipp Kohlschreiber und Rainer Schüttler spielen, im Doppel Philipp Petzschner und Christopher Kas. Petzschner wäre dann zugleich der Ersatzmann fürs Einzel.

Im vergangenen Jahr hat ja Kohlschreiber auch Doppel gespielt. Es spricht aber einiges dafür, dass er das diesmal nicht tun wird. So umgeht man nämlich das Theater um die Extra-Bezahlung, die er dafür gefordert und erhalten hat (mehr dazu hier). Außerdem ist es, wenn man fürs Doppel gute Alternativen hat, ja immer schlau, die Einzelspieler sich am Sonnabend schonen zu lassen.

Kommen wir jetzt zu den Österreichern. Obwohl ich Vierel-Ösi bin, kenne ich mich mit den Jungs da oben im Gebirg nicht ganz so gut aus, aber es stellt sich mir folgendermaßen dar:

Kandidaten sind:
Jürgen Melzer (Einzel Nr. 32/Doppel Nr. 66)
Alexander Peya (Einzel Nr. 148/Doppel Nr. 52)
Martin Fischer (Einzel Nr. 219/Doppel Nr. 203)
Stefan Koubek (Einzel Nr. 304)
Oliver Marach (Einzel Nr. 473/Doppel Nr. 34)
Julian Knowle (Doppel Nr. 22)

Kein Kandidat ist der laut Weltrangliste zweitbeste österreichische Einzelspieler Daniel Köllerer (Nr. 118). Der gute Mann ist, um es mal freundlich auszudrücken, etwas zu emotional.

An Jürgen Melzer führt kein Weg vorbei. Er spielt mit Sicherheit im Einzel und höchstwahrscheinlich auch im Doppel. Sein etatmäßiger Doppelpartner ist Julian Knowle. Die beiden haben nach längerer Unterbrechung Anfang des Jahres auch mehrere ATP-Turniere gemeisam gespielt. Sie hatten sich ziemlich viel vorgenommen, sind aber viermal in Folge gleich in der ersten Runde rausgeflogen. Letzte Woche in Rotterdam spielten sie dann mit anderen Partnern und kamen prompt beide ins Halbfinale.

Unterdessen haben sich zwei andere Österreicher fürs Doppel empfohlen: Oliver Marach war bei den Australian Open im Halbfinale, Alexander Peya bildet seit vielen Monaten ein erfolgreiches Team mit Philipp Petzschner. Julian Knowle selbst ist skeptisch, ob er momentan ins Team gehört. „Da gibt es momentan andere Spieler, über die man sich Überlegungen machen muss“
Kapitän Gilbert Schaller hat aber angedeutet, dass er wohl an Knowle/Melzer festhalten wird.

Bleibt die Frage, wer das zweite Einzel spielt: Alexander Peya oder Stefan Koubek. Koubek war über Jahre fürs Einzel fest gebucht. 2008 war er von März bis September verletzt. Danach hat er noch keine wirklich überzeugenden Leistungen gebracht. Besser als seine verletzungsbedingte Ranglistenposition (308) ist aber wohl doch. Alexander Peya sehe ich aber knapp vorne.

Am wahrscheinlichsten sind also folgende Matches:

Freitag
Philipp Kohlschreiber – Jürgen Melzer
Rainer Schüttler – Alexander Peya

Sonnabend
Christopher Kas/Philipp Petzschner – Julian Knowle/Jürgen Melzer

Sonntag
Philipp Kohlschreber – Alexander Peya
Rainer Schüttler – Jürgen Melzer

Schüttler und Kohlschreiber sind gegen Alexander Peya die Favoriten. Kohlschreiber-Melzer halte ich für völlig offen, bei Schüttler-Melzer sehe ich Melzer knapp vorne. Das Doppel könnte also ziemich wichtig werden. Wenn Knowle und Melzer ihre Startschwierigkeiten vom Jahresbeginn überwinden, werden sie für Kas/Petzschner ein harter Brocken sein. Entscheidend könnte sein, wer den Heimvorteil hat. Diese Frage ist nämlich auch offen.

Kommentare:

jmg hat gesagt…

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man am Freitag auf Koubek verzichten wird. Ich würde ihm auf jeden Fall zutrauen, gegen Schüttler zu gewinnen. Seine Form ist doch eigentlich recht gut, er hat Youzhny und GGL abgeschossen und nie wirklich schlecht ausgesehen. Dodig hatte angeblich "alles getroffen".
Melzer/Peya/Koubek/Knowle als Team sollte aber sicher sein.

Bei Deutschland warte ich mal lieber ab, was der Grund für Kiefer's Rückzug aus Dubai ist. Leider scheinen die Medien davon noch nichts mitbekommen zu haben und Kiefer schreibt auch nichts.

Anonym hat gesagt…

Dem stimme ich voll zu. Erstmal abwarten warum Kiwi nicht in Dubai gespielt hat. Vielleich logistische Gründe. Oder auch die Tatsache, dass er grundsätzlich vor einem Davis Cup Einsatz kein Turnier spielt. Die Hoffnung stirbt zuletzt... Selbst einen Kiwi ohne Matchpraxis halte ich noch besser als einen Zverev. Man muss ich auch mal anschauen gegen wen Zverev seine Siege eingefahren hat. Mein Tip wäre Kiwi, Rainer, Kohlschreiber, Petzschner... alternativ vielleicht Kas...jenachdem was mit Kiwi wirklich ist.

zack hat gesagt…

Ich glaub auch, dass Kiwi ohne Spielpraxis immer noch gut genug ist. Die Frage ist nur, ob Kühnen ihn ohne Spielpraxis nach ner Verletzung haben will.

Robert hat gesagt…

Da müsste man direkt einen Kurzurlaub in Österreich einlegen. Als Bayer liegt Garmisch ja optimal. Am besten am ersten Einzeltag, nicht dass es gegen die Skinachbarn blamabel wird.
Überträgt eigentlich das DSF?

zack hat gesagt…

Ja, DSF überträgt.


... für mich als Hamburger liegt Garmisch ja eher nicht so optimal. Aber mal gucken...

jmg hat gesagt…

Wenn ich aus Hamburg wäre, würde ich eher nach Kolding gehen, um das Traummatch Dänemark gegen Finnland zu sehen. Vor allem das Doppel wird dort sehr spannend sein. ;)

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