Sonntag, 28. Dezember 2008

Metatext zum Jahreswechsel

Das war's. Das erste Jahr mit Zacks Tennis ist vorbei. Ich hab zwar erst im Februar angefangen, aber im Februar wird es gewiss so viele andere Themen geben, die sich aufdrängen, dass ich mein Fazit lieber schon jetzt zum Jahreswechsel ziehe.

Ich hab viel gelernt in diesem Jahr. Übers Tennis und übers Bloggen. Und es hat viel Spaß gemacht. Ich war mir am Anfang absolut nicht sicher, ob ich mein Vorhaben dauerhaft durchhalten würde, jede Woche einen Artikel zu veröffentlichen. Inzwischen schreibe ich - wenn nicht gerade Weihnachten ist - fast täglich.

Die ersten Artikel sind fast vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit erschienen. Im April hab ich in einzelnen Internetforen dezent Werbung gemacht, und erst im Juni Freunden, Bekannten, Verwandten von meinem seltsamen Projekt erzählt. Irgendwann entdeckten auch Leute, die ich weder aus dem richtigen Leben, noch aus Foren kannte, meinen Blog.

Meine Artikel wurden von Woche zu Woche länger. Durch meine allsonntäglichen Recherchen hab ich mit der Zeit immer mehr unnützes Expertenwissen angehäuft, dass ich beim Schreiben höllisch aufpassen muss, meinen Vorsatz nicht aufzugeben, allgemeinverständlich zu bleiben. Viele von euch Stammlesern kennen sich mindestens so gut aus wie ich, da ist das kein Problem, aber es gibt ja auch Gelegenheits-Leser, die über Google (oder in seltenen Fällen über andere Suchmaschinen) auf diesen Blog stoßen. Die sollen ja auch schlau werden aus meinen Texten (und gerne zu regelmäßigen Gästen werden).

Das finde ich überhaupt extrem spannend, über welche Google-Suchbegriffe die Leute auf meine Seite finden. Im Dezember war "Davis-Cup 2009" der häufigste Begriff. Und wer den ATP-Turnierkalender 2009 sucht, landet oft hier. Den Kalender scheint es im deutschsprachigen Web sonst fast nirgends zu geben. Zunächst hatte ich ihn nur in meinem Artikel über ebendiesen Turnierkalender verlinkt. Dank Google konnte ich erkennen, dass es sinnvoll ist, ihn auch rechts auf der Navigationsleiste zu verlinken.

Auffällig häufig gegoogelte Spieler sind übrigens Kevin Deden und Louk Sorensen. Florian Mayer war während seiner Verletzungspause in der googelnden Bevölkurung keineswegs so vergessen wie in der medialen Wahrnehmung. Rainer Schüttler war kurz nach Wimbledon sehr gefragt, inzwischen interessiert sich wieder kein Schwein für ihn.

Ein bisschen leid tun mir immer die Leute, die was über das Le-Corbusier-Haus in der Stuttgarter Weißenhof-Siedlung wissen wollen und dann bloß bei mir landen. Im Sommer googelte mal jemand "Julian Reister Karriereende". Da dachte ich: Weiß da jemand mehr als ich? Es war aber falscher Alarm. Vor einiger Zeit kamen Leute auf die Seite, die wissen wollen, ob Rafael Nadal schwul ist. Dabei steht bloß in einem Kommentar zu einem Artikel über Nadal, dass Ion Tiriac mal gesagt hat, dass er selbst und Guillermo Vilas nicht homosexuell seien. (Hab's grad mal ausprobiert: Mit dem Begriffspaar Nadal und homosexuell kommt man über Google leider nicht mehr zu Zacks Tennis.)

Vielleicht sollte ich mehr von solchen Schlüsselwörtern einbauen. Das würde mich meinem Ziel von 100 Lesern am Tag näher bringen. Irgendwo habe ich mal gelesen, bei hundert Lesern liege die Messlatte für einen etablierten Blog. Mein Rekord liegt bei 70. Das war am Montag, nachdem Philipp Petzschner das Turnier in Wien gewonnen hatte. Ich selber war an dem Wochenende in Stockholm und wollte eigentlich über das dortige Turnier schreiben. Im Hinblick auf die Klicks war es aber wohl richtig, Stockholm auf sich beruhen zu lassen und mit den Wölfen zu heulen, die an jenem Tag Philipp Petzschner hoch leben ließen.

An dem Beispiel Petzschner merkte ich, das ich das Grundkonzept von Zacks Tennis über die Monate schleichend verändert hatte: Am Anfang schrieb ich einfach über irgendein Thema, das mir gerade durch den Kopf ging. Es durfte gern einen aktuellen Aufhänger haben, aber es gab keine Pflichtthemen. Während der French Open habe ich über die French Open kein Wort verloren. Ergebnis-Berichterstattung mache ich zwar noch immer nicht (Ergebnisse findet man auf der ATP-Ergebnisse-Seite, die in der rechten Navigationsleiste verlinkt ist), aber Wimbledon, die Olympischen Spiele, die US Open, der Masters-Cup, die wurden hier alle abgehandelt. Mir gehen noch immer manchmal Themen durch die Lappen, aber mittlerweile ärgere ich mich, wenn ich mein Versäumnis ein paar Tage später bemerkte. Inzwischen versuche ich, alle wichtigen Nachrichten aus dem Herrentennis unterzubringen. Mit dem Damentennis werde ich lieber nicht anfangen. Damit kenne ich mich einfach nicht gut genug aus. Theoretisch könnte ich mich in die Materie einarbeiten, aber um meinen immer größer werdenen Wissensrückstand im Vergleich zum Herrentennis aufzuholen, wäre der Zeitaufwand zu groß. Zwischendurch muss ich ja auch noch meine Brötchen, meinen Kaffee und meine Reisen zu Tennisturnieren verdienen gehen. Dazu werden die Werbe-Einnahmen, die dieser Blog generiert, auch in Zukunft nicht reichen. Den Spleen mit der Reklame werde ich trotzdem beibehalten. Das eine oder andere Brötchen hab ich damit schließlich doch verdient, und diese Einnahmen, seien sie noch so mickrig, geben mir die schöne Illusion, dass das, was ich hier tue, professionelle Arbeit ist und nicht bloß Jux und Dollerei.

Guten Rutsch und bis nächste Woche!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich muss schon sagen: Dieser Blog ist ein Stück Glück.

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Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de