Sonntag, 26. Oktober 2008

Doppel-Offensiven für 2009

Vor drei Wochen ließ ich mich an dieser Stelle darüber aus, wer wohl die besten Aussichten hat, sich für den Masters-Cup zum Saisonabschluss zu qualifizieren. Dabei habe ich zwei Drittel der in Frage kommenden Spieler völlig unterschlagen: Die Doppelspezialisten. Außer den acht Einzelspielern sind schließlich auch acht Doppel-Teams am Start.

Viel zu spekulieren gibt es in dieser Frage jetzt nicht mehr. Es steht nur noch ein Turnier an. Sieben Plätze sind vergeben, um den achten streiten sich ab morgen in Paris die Polen Mariusz Fyrstenberg und Marcin Matkowski mit den Südafrikanern Jeff Coetzee und Wesley Moodie. Die Südafrikaner haben neun Punkte Rückstand, dafür aber die leichtere Auslosung. Wenn beide Teams früh ausscheiden, könnten theoretisch auch noch die Brasilianer Marcelo Melo und Andre Sa die lachenden Dritten sein, dazu müssten sie aber das Turnier gewinnen, wovon ich nicht ausgehe.

Befassen wir uns also stattdessen mal mit dem Masters-Cup 2009. Das lässt mehr Raum für Spekulationen. Soweit ich das überblicken kann, war noch nie ein deutscher Doppelspieler beim Masters-Finale dabei. (Was ich nicht überblicken kann, ist das Jahr 1976. Das ist das erste Jahr, in dem das Masters überhaupt ausgetragen wurde. Dazu habe ich im ganzen riesengroßen Internet keine Vorrundenergebnisse gefunden, und es war die letzte Saison, in dem Jürgen Fassbinder und Hans-Jürgen Pohmann vorne mitspielten. Also, falls hier irgendjemand mitlesen sollte, der lebhafte Erinnerungen an das Doppel-Masters von 1976 hat, könnte der das vielleicht aufklären.)

Es gibt deutsche Spieler, die im nächsten Jahr versuchen wollen, in die Doppelweltspitze vorzudringen. Christopher Kas und Philipp Kohlschreiber und wohl auch Philipp Petzschner mit seinem österreichichen Spezi Alexander Peya.

Für die Masters-Cup-Qualifikation freilich ist etwas mehr Vorausplanung nötig als im Einzel. Im Einzel muss man einfach nur möglichst gut spielen und viele Punkte für das "Champions Race" sammeln. Das muss man im Doppel auch, aber im Doppel muss man das außerdem immer mit demselben Partner tun. Dazu braucht man einen Partner, mit dem man sich spielerisch gut ergänzt und mit dem man sich privat gut versteht - schließlich reist man Woche für Woche zu denselben Turnieren.

Die zweite Voraussetzung: Die Weltranglistenposition muss gut genug sein. Das ist im Doppel viel wichtiger als im Einzel. Im Einzel kann jeder, der zu Jahresbeginn unter den Top 100 ist, wenn er stark genug spielt, am Jahresende unter den besten Acht kommen. Juan Martin del Potro war noch im April die Nummer 75 und ist jetzt beim Masters-Cup so gut wie sicher dabei.

Ein Doppel-Team aus Spielern, die im April um Platz 75 stehen, hätte bei denselben überragenden Leistungen ungleich schwerer. Das Team käme einfach nicht so leicht an die Fleischtöpfe. Um bei den Masters-Series-Turnieren, wo es die nach den Grand Slams die größten Punktebatzen gibt, überhaupt antreten zu dürfen, muss man im Doppel mindestens um Platz 30 stehen. Die Doppelspezialisten konkurrieren mit den besten Einzelspielern um die raren Startplätze, und für die Zulassung für das Doppelfeld zählen Einzel- und Doppelweltrangliste gleichwertig.

Christopher Kas und Philipp Kohlschreiber sind nah dran, diese Voraussetzung zu erfüllen. Bei den Masters-Turnieren in diesem Herbst sind sie ganz knapp an einem Startplatz vorbeigeschrammt. Diese Woche standen beide auf Platz 30. Kohlschreiber im Einzel, Kas im Doppel. Die beiden haben im Juli in Stuttgart zum ersten Mal zusammen gespielt - und auf Anhieb das Turnier gewonnen. Jetzt im Herbst spielten sie zwei weitere Turniere: In Wien verloren sie in der ersten Runde und in Basel kamen sie ins Finale. Wenn sie 2009 eine ähnlich gute Ausbeute schaffen, könnte es klappen mit dem Masters-Cup. Eine offene Frage ist: Hält Kohlschreiber wirklich das ganze Jahr durch? Wird er bei jedem Turnier, auch bei den Grand Slams, immer brav neben dem Einzel auch im Doppel spielen? Es gibt Einzelspieler, die das tun, aber es sind wenige. Wie sich Kohlschreiber entscheidet, wird wohl auch davon abhängen, ob er und Kas in den ersten Monaten des Jahres zählbare Erfolge feiern.

Nun zu Philipp Petzschner und Alexander Peya: Die beiden müssen noch ein bisschen Gas geben, wenn sie an die Fleischtöpfe der Masters-Turniere kommen wollen. Petzschner ist im Moment Nummer 39, Peya ist Nummer 47. Aber weil beide in den ersten Monaten des nächsten Jahres relativ wenige Punkte zu verteidigen haben, ist da Luft nach oben. Petzschner gilt zu recht als ein Weltklasse-Doppelspieler. Was Peyas spielerische Qualitäten betrifft, habe ich offen gestanden noch ein paar Bildungslücken. Er ist ein passabler Einzelspieler mit Vorliebe für schnelle Beläge. Solche Leute sind ja meistens auch fürs Doppel durchaus zu gebrauchen.

Philipp Petzschner ist allerspätestens nach seinem Turniersieg in Wien vom Doppelspezialisten zu einem Einzelspieler, der auch Doppel macht, geworden. Für ihn gilt also dieselbe Frage wie für Kohlschreiber: Will er sich die Doppelbelastung das ganze Jahr über zumuten? Bei Petzschner, für den regelmäßiges Doppelspielen ja nichts Neues ist, bin ich mir da sicherer als bei Kohlschreiber. Aber was macht Peya? Im Einzel ist er die Nummer 159. Damit müsste er normalerweise regelmäßiger Gast auf Challengern sein. Das geht natürlich nicht, wenn er mit Petzschner zu den großen Turnieren fährt. Gut möglich also, dass sich die Wege von Petzschner und Peya immer wieder mal trennen werden, wenn Peya Einzelpunkte sammeln geht. Das wäre ein großes Handicap auf dem Weg zum Masters-Cup.

Mischa Zverev ist ein weiterer Deutscher, dem ich im Doppel Masters-Cup-Niveau zubillige. Er wird sich aber wohl erstmal auf seine Einzel-Karriere konzentieren.

Dann gibt es natürlich noch Alexander Waske. Der hatte 2007 (damals mit Andrei Pavel aus Rumänien) öffentlich den Masters-Cup als sein Ziel ausgegeben. Nach seiner langwierigen Schulterverletzung fängt Waske jetzt aber praktisch bei Null an. Selbst wenn er sofort in Topform käme und einen passenden Partner fände, käme er wohl nicht mehr rechtzeitig an die Fleischtöpfe für 2009.

1 Kommentar:

JMG hat gesagt…

Auch hier ist das neue Punkte-System interessant. Dieses Jahr sind F/M Achter geworden trotz einer katastrophalen 3-4 Bilanz in Grand Slam Turnieren. 2009 dürfte es wohl unverzichtbar sein, mindestens 1 starkes GS und ein paar gute Masters Turniere zu spielen.

Ich befürchte, Petzschner/Peya werden gleich zu Beginn des Jahres ein starkes Ergebnis erzielen müssen um realistische Chancen zu haben, denn sie sind noch meilenweit vom sicheren direct entry für Masters Turniere entfernt. Sie werden zudem wahrscheinlich nicht nur weniger Masters (und 500er) Turniere spielen als die Doppelspezialisten, sondern auch weniger normale Turniere. Zwar könnte und will Peya vermehrt ATP Quali spielen, aber schon alleine in den 4 Grand Slam Qualifikations-Wochen fallen vier 250er weg. Leider ist Peya in der Regel auch etwas schwächer als Kas muss ich sagen. Also ich denke es kann gerade bei den großen Turnieren passieren, dass die beiden mal 3-4 Spiele hintereinander verlieren.

Das Kas/Kohlschreiber wirklich das ganze Jahr durchhalten, kann ich mit beim besten Willen nicht vorstellen. Aber um das Masters zu schaffen, müssten sie wohl viele Turniere spielen.

Vielleicht haben die Deutschen auch einfach die falschen Freunde. Wenn einer z.B. eng mit Llodra befreundet wäre, wäre doch alles viel einfacher. ;)

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