Sonntag, 14. September 2008

Federer und der Davis-Cup: Wird das was?

Die Auguren scheinen sich einig: 2009, das wird das Jahr, im dem Roger Federer versucht, den Davis-Cup zu gewinnen. Zum Beispiel hier: "Start zur Mission Davis-Cup-Sieg", titelt Eurosport.

Klingt ja auch logisch: Seine Zeit an der Spitze der Weltrangliste ist vorbei, Wimbledon und die US Open hat er nun jeweils fünf Mal in Folge gewonnen, da wird es Zeit für neue Ziele. Zum Davis-Cup ist Federer zuletzt nur unregelmäßig angetreten. Da tut sich für ihn doch vielleicht ein neues Betätigungsfeld auf? Mit Teamkapitän Severin Lüthi versteht er sich prima. In Stanislas Wawrinka hat die Schweiz einen zweiten Weltklassespieler, mit dem zusammen Federer die olympische Goldmedaille im Doppel gewonnen hat. Federer hat dabei sichtlich Geschmack am Mannschaftssport gefunden. Federer und Wawrinka sind ein stärkeres Team auch das auch nicht schlechte Duo aus Jakob Hlasek und Marc Rosset, das die Schweiz 1992 ins Davis-Cup-Finale führte. Da sollte der Titel drin sind. Der erste Schritt soll in einer Woche gemacht werden, beim Aufstiegsspiel gegen Belgien in Lausanne ist Federer mit dabei und die Schweiz haushoher Favorit. Auch fürs Erstrundenspiel im nächsten März hat Federer so gut wie zugesagt.

Dennoch gibt es ein paar Punkte, die gegen die scheinbar so sichere Mission Davis-Cup sprechen.

Punkt 1: Die Chancen für die Schweiz stehen bei genauerem Hinsehen ziemlich schlecht. Das hat mit der Regel zu tun, nach der im Davis-Cup das Heimrecht bestimmt wird. Das Heimrecht wechselt zwischen zwei Nationen immer ab. Die Schweiz hat nächste Woche gegen Belgien Heimrecht, weil die letzte Begegnung zwischen diesen beiden Ländern in Belgien war (3:2 für Belgien im Viertelfinale 1999).

Die Schweiz muss, und das macht die Sache mit dem Davis-Cup-Sieg für Federer und Wawrinka so schwierig, gegen fast alle ernsthaften Konkurrenten das nächste Mal auswärts antreten. Das gilt für Spanien, für die USA, für Serbien, Großbritannien, Frankreich und auch für den nicht ganz so ernsthaften Konkurrenten Deutschland. Heimspiele gäbe gegen Russland und gegen Tschechien. Gegen Kroatien und Argentinien würde das Los entscheiden, weil die Schweiz gegen Kroatien noch nie gespielt hat und gegen Argentinien zuletzt 1952, als die aktuelle Heimregel noch nicht griff.

Federer und Wawrinka kommen zwar beide auf allen Bodenbelägen ganz gut zurecht. Aber es ist nicht nur die Wahl des Bodenbelags, der das Heimrecht im Davis-Cup so wertvoll macht. Mit dem Publikum im Rücken kann jeder Top-Ten-Spieler für Federer gefährlich werden. Wie schwer es ist, auswärts zu bestehen, haben die Schweizer im vergangenen Jahr erleben müssen. Da sind sie nach einer Niederlage in Tschechien aus der Weltgruppe abgestiegen, obwohl Federer mitspielte. Er gewann seine beiden Einzel gegen Radek Stepanek und Tomas Berdych, aber das allein reichte nicht.

Die Auslosung für den Davis-Cup 2009 ist am 23. September, dem Dienstag nach den Aufstiegsspielen und den Halbfinals (Spanien-USA und Argentinien-Russland). Dann werden wir ein bisschen schlauer sein, wie es um die Schweizer Chancen genau steht.

Für Roger Federers Entscheidung, ob er 2009 mehr als einmal im Davis-Cup spielt, dürften aber wohl nicht allein die Auslosung ausschlaggebend sein. Federer hat seinen Turnierplan nie überfrachtet. Wenn Federer das ATP-Finale gewinnt und anschließend vielleicht die Australian Open, hat er eine realistische Chance, die Spitzenposition in der Weltrangliste zurückzuerobern. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihm das wichtiger sein wird als die vage Aussicht auf den Davis-Cup-Sieg.

Federers von manchen Auguren euphorisch gefeierte Ankündigung, im nächsten Jahr in der ersten Davis-Cup-Runde anzutreten, bedeutet überhaupt nicht viel. Federer hat seit 1999 jedes Jahr mitgemacht. 2003 führte er sein Land schon mal ins Halbfinale. Nur in den letzten drei Jahren hat er jeweils das Erstrundenspiel ausgelassen. Im Abstiegsspiel war er immer mit dabei. Der Termin für die erste Runde lag zuletzt immer dicht nach den Australian Open. Das ist 2009 anders. Dafür liegen aber diesmal nur vier Tage zwischen dem Wimbledon-Finale und dem Davis-Cup-Viertelfinale und ebenfalls nur vier Tage zwischen dem US-Open-Finale und dem Davis-Cup-Halbfinale. Diese Termine sind für Grand-Slam-Finalisten nicht gerade einladend.

Hier geht's zur offiziellen Davis-Cup-Internetseite

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