Sonntag, 28. September 2008

Davis-Cup 2009: Enge Sache gegen Österreich

Auch 2008 ist bald schon wieder vorbei. Die Leute drehen ihre Heizungen auf, das Segelboot ist eingemottet, und man wird plötzlich gefragt, was man sich eigentlich zu Weihnachten wünscht. Und nun zum Tennis: In dieser Woche war die Davis-Cup-Auslosung für 2009.

Hier ist sie:

Argentinien - Niederlande
Tschechien - Frankreich
USA - Schweiz
Kroatien - Tschechien

Schweden - Israel
Rumänien - Russland
Deutschland - Österreich
Spanien - Serbien


Um die Chancen der deutschen Mannschaft zu beurteilen, reicht ein Blick auf die Erstrundenbegegnung. Deutschland spielt gegen Österreich. Wer da gewinnt, scheidet im Viertelfinale in Spanien aus.

Das Spiel gegen Österreich (5. bis 7. März) kann ein heißer Tanz werden. Das Heimrecht für Deutschland wird nicht stark ins Gewicht fallen. Der vornehmste Vorteil, die Wahl des Untergrunds, ist diesmal keiner: Deutsche wie Österreicher mögen am liebsten schnelle Hartplätze und kommen aber zur Not auch auf Sand zurecht. Auch wird es kaum ein reines Heimpublikum geben. Der DTB wird den österreichischen Schlachtenbummlern entgegenkommen müssen. Erstens waren die letzten beiden Davis-Cup-Begegnungen im Norden (Braunschweig und Bremen), Süddeutschland ist also mal wieder an der Reihe, zweitens kann sich der klamme Deutsche Tennis-Bund es sich gar nicht erlauben, gegnerischen Fans die Anreise unattraktiv zu machen. Nur mit deutschen Tennisfans kriegt man Mehrzweckhallen heutzutage nicht mehr voll.

Da bleibt zum Gewinnen nur noch eine Methode übrig: Besser Tennis spielen als die Österreicher. Auch das wird nicht so einfach. Jürgen Melzer (Nr. 41), der beste Österreicher, bewegt sich ungefähr auf demselben Niveau wie die vier besten Deutschen. Gegen Nicolas Kiefer hat er zwar von bisher sieben Begegnungen sieben verloren, aber gegen Philipp Kohlschreiber, Rainer Schüttler oder Tommy Haas muss er sich nicht in die Hose machen.
Dann gibt's noch Stefan Koubek. Der 31-Jährige ehemalige Top-20-Spieler ist, um es mal im schönsten Sportreportersprech zu formuliren, das große Fragezeichen im Team der Alpenrepublik. Er hatte eine Bandscheibenoperation und hat ein halbes Jahr pausiert. Ab Montag beim Challenger in Mons (Belgien) und in der Woche darauf beim ATP-Turnier in Wien ist er wieder dabei. Koubek in Topform ist nicht wesentlich schlechter als Melzer. Da nützt es den Deutschen gar nichts, dass sie vier Leute auf demselben Niveau haben, wenn nur zwei von denen auf dem Platz stehen können. (Wer das sein wird, lässt sich ein halbes Jahr im Voraus nicht seriös vorhersagen. Vielleicht bringen sich bis dahin ja auch noch andere Leute ins Gespräch.)

Hinzu kommt: Österreich hat ein exzellentes Doppel. Jürgen Melzer und Julian Knowle haben bei den Olympischen Spielen das deutsche Doppel aus dem Turnier geworfen. Ersatzmann Alexander Peya ist ebenfalls ein hervorragender Doppelspieler. In Deutschland hingegen ist das Doppel momentan eine Baustelle mit ungewissem Ausgang. Zuletzt spielten Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner zusammen. Christopher Kas meldet als bestplatzierter Deutscher in Doppel-Weltrangliste natürlich auch Ansprüche an. Er war lange Zeit regelmäßiger Partner von Petzschner und wird künftig regelmäßig mit Kohlschreiber spielen. Dann gibt es noch die alten Haudegen Michael Kohlmann und Alexander Waske ist schon seit einem Jahr verletzt, und ich bezweifle inzwischen, dass er noch mal auf sein altes Niveau zurückkehrt. Kohlmann war auch lange verletzt; er spielt inzwischen wieder, aber bisher mit mäßigem Erfolg.

Der österreichische Teamchef Gilbert Schaller sieht Chancen für seine Mannschaft: ("Gegen die Deutschen dürfen wir auf jeden Fall auf ein Weiterkommen hoffen.") und spricht aus, was in Deutschland offiziell nicht bestätigt wird: "Haas und Kiefer verstehen sich nicht besonders gut. Ich rechne nur mit einem der beiden."

Im Viertelfinale ginge es gegen den Sieger der Partie Spanien-Serbien. Die Spanier werden wohl auf Sand spielen, und dann wird es für Serbien sehr schwer. (Nicht bloß weil, wie Novak Djokovics Vater meint, sowieso alles manipuliert ist und Serbien keine Lobby hat.)

Zum Schluss ein Blick auf die Schweiz. Bei den Eidgenossen spricht man ja ganz offen vom Davis-Cup-Sieg. Über die Erfolgsaussichten hatte ich schon vor zwei Wochen geschrieben. Nun geht es also gleich in der ersten Runde in die USA. Ein schwieriger Gegner, aber die Chancen für die Schweiz liegen bei mindestens 50 Prozent. Roger Federer sollte seine beiden Einzel gewinnen, und ein weiterer Punkt ist auch machbar. Wenn die Amis in Bestbesetzung antreten, wäre Stanislas Wawrinka in den Einzeln gegen Andy Roddick und James Blake zwar Außenseiter, aber keineswegs chancenlos. Die Bryan-Brüder sind zwar das beste Doppel der Welt, haben aber bei den Olympischen Spielen gegen Federer/Wawrinka verloren. Im Viertelfinale käme ein Auswärtsspiel gegen Kroatien - das ist kein Selbstgänger, aber allemal machbar. Die schwersten möglichen Halbfinalgegner wären Argentinien oder Tschechien. In beiden Fällen hätte die Schweiz Heimrecht (Im Falle Argentinien per Losentscheid). Weiter denken wir erstmal noch nicht...

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