Sonntag, 7. September 2008

Der ATP-Turnierkalender 2009 - Gewinner und Verlierer

So lange mussten Spieler, Veranstalter, Fans noch nie warten: Erst seit ein paar Tagen ist der ATP-Turnierkalender 2009 veröffentlicht. Der Kalender hat nicht zuletzt deshalb so lange auf sich warten lassen, weil die ATP abwarten musste, wie das Gerichtsverfahren um die Zukunft des Hamburger Rothenbaum-Turniers ausgehen würde. Ich glaube inzwischen nicht mehr so recht daran, dass der Deutsche Tennis-Bund (DTB) Revision gegen das Urteil aus dem August einlegt. (Die Frist läuft bald ab.) Hamburg wird also vom Masters im Mai zum zweitklassigen "500er"-Turnier im Juli. So steht es im Turnierkalender, und so wird es wohl kommen.

Der scheidende ATP-Chef Etienne de Villiers hat ihn schon im vergangenen Jahr mit viel Tamtam angekündigt. Da wundert man sich fast, dass die meisten Turniere ihren angestammten Platz behalten haben.

Eine der einschneidendsten Veränderungen hat die ATP klammheimlich untergebracht: Es gibt keine Turniere mehr auf Teppich. Auch die letzten europäischen Hallenturniere wie St.Petersburg oder Paris-Bercy wechseln zum langsameren Hartplatz - jedenfalls, sofern die Angaben im Kalender stimmen.

Neu im Programm - das war lange bekannt - ist ein Masters-Turnier in Schanghai im Oktober. Dafür wechselt das Masters in Madrid vom Oktober in den Mai auf den angestammten Hamburger Platz. Statt in der Halle auf Hartplatz spielt man nun auf Sand unter freiem Himmel. Da sind die Spanier sowieso besser. Das ATP-Finale der besten acht Spieler am Ende des Jahres wechselt von Schanghai nach London.

Bei den kleineren Turnieren gibt es einen einzigen Neuzugang: Ein Turnier in Johannesburg Anfang Februar unmittelbar nach den Australian Open. (Ganz neu ist das nicht, dort gab es schon bis 1995 ein Turnier. Der letzte Sieger war ein längst vergessener Deutscher: Martin Sinner.) Gestrichen wird das Juli-Turnier in Kitzbühel, das schon seit Jahren in der Krise war. Mit den Veranstaltungen in Pörtschach (Kärnten) und Wien ist Österreich nach wie vor im Kalender vertreten. Außerdem gibt es einen inneraustralischen Tausch in der ersten Januar-Woche: Adelaide fliegt raus, Brisbane kommt rein.

Ein paar gewichtige Veränderungen gibt es bei der Bedeutung einzelner Veranstaltungen. Das manifestiert sich in den Weltranglistenpunkten, die dort vergeben werden. (Auch im Preisgeld, aber die genaue Höhe der Preisgelder harrt noch ihrer Bekanntgabe.) Bei den Weltrangslistenpunkten stehen wir vor einer Inflation um 100 Prozent: Für den Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier gibt es ab 2009 nicht mehr 1000 Punkte, sondern 2000. Bei Masters-Turnieren gibt es nicht mehr 500, sondern 1000. Auf anderen Turnieren gab es für den Sieger bisher - je nach Kategorie - 175, 200, 225, 250 oder 300 Punkte. Künftig gibt es nur noch zwei Kategorien: 250 und 500. Die neuen 250er-Turniere kommen also inflationsbereinigt schlechter weg als die alten 175er. Die 500er entsprechen den alten 250ern.

Einige Leute fürchten jetzt, zu den 250er-Turnieren würden kaum noch Spitzenspieler antreten, weil sich das für die paar Punkte nicht mehr lohnt. Da ist was dran, ganz so dramatisch wird es aber nicht sein, glaube ich. Es gibt nämlich nur elf 500er-Turniere, von denen in drei Wochen jeweils zwei parallel stattfinden. Die 250er-Turniere mit viel Prestige und mit viel Antrittsprämien werden weiterhin ihre Stars abkriegen. Zu dieser Gruppe zählt zum Beispiel das Rasenturnier in Halle/Westfalen. Es gibt überhaupt kein 500er-Turnier auf Rasen. Wer sich vor Wimbledon Spielpraxis auf Gras holen will, muss also zu einer der 250er-Veranstaltungen fahren.

Einige der 500er-Turniere wie Rotterdam, Dubai, Barcelona oder Basel gehörten schon bisher zu den größten der Nicht-Masters-Veranstaltungen. Es gibt aber auch einige bislang eher kleine Turniere, die zu 500er-Ehren kommen, zum Beispiel Valencia, das im Gegenzug zu Madrid vom Sandplatz im Frühjahr in die Halle im Herbst wechselt. Auch Peking wird zum 500er. Das gehört zur groß angekündigten Stärkung des asiatischen Marktes. Die Spieler werden im nächsten Jahr nicht mehr umhinkommen, nach Asien zu reisen. In Schanghai sind die besten 50 der Welt zur Teilnahme verpflichtet, und schon in den Wochen vorher finden überhaupt nur in Asien Turniere statt. Dagegen ist nichts einzuwenden, Europa und Amerika genießen diese Privilegien schon lange. Lustig ist nur, dass die ATP trotzdem behauptet, der neue Kalender führe dazu, "weniger von Kontinent zu Kontinent reisen müssen". Bisher konnte sich, wer wollte, den Asientrip sparen.

Und jetzt zu den Verlierern: Das ist natürlich zuerst Hamburg, das kein Masters mehr ist. Die Stars sind nicht mehr zur Teilnahme verpflichtet, außerdem liegt der Termin im Juli am Beginn der nordamerikanischen Hartplatz-Saison. Am Rothenbaum werden künftig wohl hauptsächlich spanische und südamerikanische Sandfexe auftreten. Nächster Verlierer ist Stuttgart. Stuttgart hatte bisher das größte Sandplatzturnier nach Wimbledon. Jetzt steht es, als 250er in der Woche direkt vor Hamburg im Schatten des Rothenbaums. Das passt ins Bild vom absteigenden Ast, auf dem Tennis in Deutschland ist. Aber mal ganz ehrlich: So dramatisch ist die Lage gar nicht. Es gibt nach wie vor fünf Turniere in Deutschland (Hamburg, Stuttgart, Halle, München, Düsseldorf.) Mehr gibt es nur in den USA (13) und in Frankreich (6).

Russland kommt ziemlich schlecht weg, und das, obwohl Tennis dort fraglos auf dem aufsteigenden Ast ist. Die beiden einzigen Turniere in Moskau und St.Petersburg müssen sich mit dem 250er-Status begnügen. Immerhin werden sie in zwei aufeinander folgenden Wochen ausgetragen, dort immerhin stimmt das Märchen von den geringer werdenen Reisestrapazen. Schade ist natürlich, dass wir dann keine fassungslosen Gesichter wie das von Nicolas Kiefer 2005 mehr sehen werden, dem man im russischen Konsulat sagte, er könne kein Visum für beide Turniere auf einmal bekommen. Er müsse, wenn er nach seinen Matches in Moskau das Land verlasse, hinterher noch mal ins Konsulat kommen, dann erst könne man ihm das Visum für St.Petersburg ausstellen.

Wie sehr Monte Carlo leiden wird, muss sich noch zeigen. In der Steueroase bleibt man zwar offiziell Masters, aber die sonst für die Masters übliche Teilnahmepflicht für die Top 50 gibt es dort nicht mehr. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Monegassen mit der ATP, die Monte Carlo ebenso wie Hamburg degradieren wollte.

Unklar ist noch der Termin für Warschau. Das Turnier ist in der Woche vom 27. Juli bis zum 2. August aufgeführt zusammen mit drei anderen Turnieren und einer Fußnote, derzufolge in jener Woche nur drei Turniere vorgesehen sind und Warschaus endgültige Woche noch bekanntgeben wird. Auf den ersten Blick ist das wirklich bloß eine Fußnote. Sie macht mir aber Sorgen: Sie könnte bedeuten, dass die ATP darauf eingestellt ist, dass das Turnier am Hamburger Rothenbaum ausfällt. Im Dunstkreis des DTB gibt es ja Stimmen, die sagen, ohne Masters-Status würde sich die Veranstaltung nicht rechnen. Da könnte die ATP Warschau einfach eine Woche vorverlegen, und man hätte wieder einen runden Kalender.

Nachdem es mit dem Kalender für 2009 so lange gedauert hat, hat die ATP die Kalender für 2010 und 2011 schon gleich mit veröffentlicht. Sie sind fast identisch, nur die Reihenfolge der Turniere im Mai ändert sich 2011. Das betrifft Rom und Madrid und es betrifft auch München, das 2009 und 2010 eine Woche später als sonst stattfindet und 2011 auf seinen angestammten Platz um den 1. Mai herum zurückdarf.

Hier der Turnierkalender für 2009



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