Sonntag, 31. August 2008

Schon wieder nicht alle Deutschen raus

„Schon wieder alle Deutschen raus.“ Ich vermute, die Sportredakteure der deutschen Nachrichtenagenturen haben auf ihren Computern längst irgendeine griffige Tastenkombination wie Strg+F8 oder AltGr+Shift+R, die sie schnell drücken, wenn sie im Laufe eines Grand-Slam-Turniers diesen Satz über den Ticker jagen wollen. Die Hälfte aller Teilnehmer scheidet nun mal in der ersten Runde aus, nach der dritten Runde ist schon nur noch ein Achtel übrig. Da braucht man Strg+F8 häufiger mal, wenn man grad keinen nationalen Superstar, der immer ins Finale kommt, zur Hand hat.

Auch bei den diesjährigen US Open sind nach der ersten Woche schon wieder „alle Deutschen raus“. Und wie fast immer, ist diese Meldung auch diesmal wieder falsch. Insbesondere ist sie natürlich deshalb falsch, weil Anna-Lena Grönefeld im Achtelfinale steht. Für einen solchen Fall haben die Nachrichtenagenturen eine Tastenkombination für „Alle Deutschen Herren schon ausgeschieden“.

Aber auch das ist falsch. Zwei Deutsche stehen im Viertelfinale, und zwar im Doppel: Christopher Kas und Philipp Petzschner. Dort treffen sie auf die US-Zwillis Bob und Mike Bryan, die das Herrendoppel in den letzten Jahren dominiert haben. Wahrscheinlich ist für Kas/Petzschner also jetzt Feierabend. Für völlig chancenlos halte ich die beiden aber nicht. Sie sind ein seit Jahren eingespieltes Team, das schon 2006 kurz davor war, den Sprung in die Weltspitze zu schaffen.

Anna-Lena Grönefeld steht nicht nur im Einzel im Achtelfinale, sondern auch im Doppel, und zwar mit meiner Lieblingsspielerin als Partnerin: Patty Schnyder aus der Schweiz. Und wo wir schon dabei sind, über den Tellerrand zu gucken: Es gibt noch eine ganze Reihe Wettbewerbe im Rahmen der US Open, von denen man als Fernsehzuschauer kaum etwas mitkriegt, weil sie es nie ins Eurosport-Programm schaffen. Die Junioren-Wettbewerbe haben an diesem Wochenende begonnen. Bei den Jungs waren drei Deutsche am Start. Cedrik-Marcel Stebe (an 11 gesetzt) hat seine Erstrundenpartie schon gewonnen. Richard Becker ist ausgeschieden, Dominik Schulz hat noch nicht gespielt, genauso wie bei den Mädchen Linda Berlinecke, die an 13 gesetzt ist. Im Mixed, noch so ein Wettbewerb, von dem man kaum was erfährt, war nur ein Deutscher am Start: Christopher Kas verlor zusammen mit einer Partnerin aus Weißrussland, Tatiana Poutchek, gegen Virginie Razzano (Frankreich) und Rogier Wassen (Holland). Wassen war übrigens in der ersten Jahreshälfte der regelmäßige Doppelpartner von Kas, bevor er zu seinem alten Kumpel Philipp Petzschner zurückfand.

Am Dienstag startet auch noch die so genannte „Champions Invitation“ mit Damen- und Herreneinzel und Mixed. Dahinter verbirgt sich eine Seniorenkonkurrenz.

Normalerweise gibt es noch eine weitere Disziplin bei den US Open: Rollstuhltennis. Das fällt dieses Jahr aber aus, weil gleichzeitig die Paralympics stattfinden.

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