Sonntag, 17. August 2008

Olympia: Wenn die Doppelspieler richtig Gas geben...

Da ist der Wechsel an der Spitze der Weltrangliste ja doch noch ehrenvoll über die Bühne gegangen - mit einem Olympiasieg für die neue Nummer 1. Dass Nadal selbst dann Nummer 1 geworden wäre, wenn er in Peking in der ersten Runde verloren und Federer Gold gewonnen hätte, war verständigen Menschen ja kaum zu vermitteln - zu Recht. (Es lag daran, dass die ATP für einen Olympiasieg 100 Punkte weniger vergibt als für den Gewinn eines schnöden Masters-Tunriers und Federer in dieser Woche die Punkte vom Sieg in Cincinnati 2007 verliert.)

Aber jetzt zu einem anderen Olympiathema, das aus Sicht eines Federer-Befürworters, wie ich einer bin, erfreulicher ausfällt: Es geht um die olympische Doppelkonkurrenz, und da holte Roger ja doch noch seine Goldmedaille.

Statt lange Abhandlungen abzufassen, stelle ich einfach zwei Thesen zum Thema Olympia-Doppel zur Diskussion:

These 1: Die Goldmedaille im Doppel ist bedeutender als die im Einzel. Die Goldmedaille im Einzel zählt in den Augen von Spielern und Publikum noch immer weniger als ein Grand-Slam-Titel. Die Namen der Wimbledon-Sieger im Doppel kennen nur echte Freaks. An die Olympiasieger erinnern sich mehr Leute. Und außerdem: Nur bei Olympia geben sich die besten Tennisspieler der Welt im Doppel richtig Mühe. Das beste Doppel der Welt wird wirklich nur alle vier Jahre ermittelt. „Wenn die Einzelspieler richtig Gas geben, haben die Doppelspezialisten nichts zu melden“, sagte der ZDF-Kommentator gestern, nachdem Roger Federer und Stanislas Wawrinka in Peking die Goldmedaille gewonnen hatten. Wawrinka, immerhin die Nummer 10 in der Einzel-Weltrangliste, hatte vor Olympia überhaupt noch nie ein Doppelturnier auf der ATP-Tour gewonnen.

These 2: Das ist ja alles gar nicht wahr, dass die Einzelspieler besser Doppel spielen können als die Doppelspezialisten. Vermutlich hätte Roger Federer auch im Doppel schon das eine oder andere Grand-Slam-Turnier gewonnen, wenn er es denn versucht hätte. Trotzdem sind die besten Doppelspezialisten der Welt auf ihrem Spezialgebiet den besten Einzelspielern mindestens ebenbürtig. Der schwedische Silbermedaillengewinner Simon Aspelin spielt überhaupt nur Doppel. Und eine Silbermedaille ist ja nun auch nichts Schlechtes. Auch die Bronzemedaille ging an reine Doppelspieler: An Bob und Mike Bryan (USA). Seit 1988 ist Tennis wieder olympisch. Seither wurden sechs Mal Goldmedaillen im Doppel vergeben. Drei Mal gewannen Spieler, die ich mal als „Einzelspezialisten“ bezeichne: 1992 Boris Becker und Michael Stich (Deutschland), 2004 Nicolas Massú und Fernando Gonzalez (Chile) und 2008 Roger Federer und Stanislas Wawrinka (Schweiz). Aber ebenfalls drei Mal gewannen Doppelspezialisten: 1988 Ken Flach und Robert Seguso (USA), 1996 Todd Woodbridge und Mark Woodforde (Australien) und 2000 Sebastien Lareau und Daniel Nestor (Kanada). Es steht also Unentschieden zwischen diesen beiden Spezies. Hinzu kommt: Viele der besten Doppelgespanne der Welt können bei olympischen Spielen gar nicht gemeinsam antreten, weil sie nämlich binational sind.

Ja, und dann gibt’s ja da auch noch den umgekehrten Fall. Leander Paes aus Indien, lange Zeit die Nummer 1 in der Doppel-Weltrangliste, blieb im Einzel stets unauffällig. 1996 in Atlanta gewann der die Silbermedaille – im Einzel. Tja, wenn die Doppelspieler im Einzel richtig Gas geben…


Hier geht's zu den Ergebnissen der Olympischen Spiele.

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