Sonntag, 8. Juni 2008

Doppelpack von Zverev / Haas und Kiefer unauffällig

Das hier ist Deutschlands erste Elf:

36. Philip Kohlschreiber
37. Tommy Haas
38. Nicolas Kiefer
64. Denis Gremelmayr
71. Michael Berrer
81. Mischa Zverev
90. Rainer Schuettler
103. Benjamin Becker
116. Florian Mayer
121. Philipp Petzschner
143. Andreas Beck

Und das ist Polens erste Elf:

197. Dawin Olejniczak
202. Lukasz Kubot
397. Michal Przysiezny
422. Adam Chadaj
462. Koniusz, Blazej
581. Marcin Gawron
606. Robert Godlewski
628. Grzegorz Panfil
668. Jerzy Janowicz
860. Kacper Owsian
912. Maciej Dilaj

Ziemlich klar, wer gewinnt, oder?
Das 2:0 mit den beiden Toren von Mischa Zverev war nicht mehr als ein Pflichsieg. Bei Florian Mayer ist endlich mal wieder der Knoten geplatzt. Haas und Kiefer waren ziemlich unauffällig, abschreiben sollte man die beiden alten Männer aber noch nicht.

Neulich kam mir die Idee, Nicolas Kiefer sei der Frings des deutschen Tennis. Ich verfolgte den etwas komplizierten Gedanken, welcher deutsche Tennisspieler typologisch wohl welchem Fußballer entspricht. Das hier sind meine Ergebnisse. Für Gegenvorschläge bin ich immer offen.

Philipp Kohlschreiber ist Tim Borowski

Bevor jetzt einer kommt und sagt "Borowski ist aber nicht der beste deutsche Fußballer": Darum geht es ja auch nicht. Es geht einfach um wild zusammengeklaubte Parallelen. In diesem Fall ist die Parallele: Beide halten sich für den Besten. Und wenn sie wirklich mal Herausragendes vollbringen, kommt kurz darauf ein Tief, weil sie vor laute Sich-selbst-für-den-Besten-halten für eine Weile vergessen, worauf es eigentlich ankommt. Beide sind aber ehrgeizig genug, sich aus diesen Tiefs wieder herauszuarbeiten. Weil sie also beide etwas arrogant wirken, sind sie keine Lieblinge der Fans. Ohne Not von Werder zu den Bayern zu wechseln, das ist aus Fanperspektive so etwas Ähnliches wie beim Davis Cup mehr Startgeld haben zu wollen als die Mitspieler.

Tommy Haas ist Michael Ballack

Ballack hat seine Verletzungsperiode hinter sich, Haas steckt mittendrin, und das mit ungewissem Ende. Haas war mal Nummer zwei in der Welt. Ballack lenkt das Chelsea-Weltteam. Irgendwie weiß man bei beiden: Dieser Spieler ist einer der besten der Welt. Aber so richtig verinnerlicht hat man das nicht. Ballack ist eben kein Brasilianer, kein Italiener und noch nicht einmal Engländer, sondern bloß Sachse. Und Haas ist nicht Boris Becker und Wimbledon nicht sein Lieblingsturnier.

Nicolas Kiefer ist Torsten Frings

Okay, soweit ich das beurteilen kann, ist Kiefer schöner als Frings. Aber auf dem Platz sehen beide gleichermaßen verwegen aus. Mit ihnen ist während des Spiels nicht gut Kirschenessen. Kaum ein Spiel, in dem Frings nicht Gelb sieht. Kaum ein Linienrichter, dem sein Leben lieb ist, sollte leichtfertig eine Rückhand von Kiefer aus geben. Beide sind ständig verletzt, aber wenn sie nicht verletzt sind, gehören sie zu den Allerbesten, und zwar ohne erst wieder monatelang Spielpraxis sammeln zu müssen.


Beim Rasenturnier in Halle/Westfalen stellten sich die deutschen Spieler passenderweise zum EM-Mannschaftsfoto auf. Hinten Martin Kind, Bernd Schneider, Michael Ballack, Tim Borowski, Torsten Frings, David Odonkor, Jogi Löw. Vorne Simon Rolfes, Philipp Lahm, Lukas Podolski, Thomas Hitzlsperger, Clemens Fritz, Marcell Jansen, Piotr Trochowski.
Alternativ auch hintere Reihe v.l.: Turnierdirektor Ralf Weber, Rainer Schüttler, Tommy Haas, Philipp Kohlschreiber, Nicolas Kiefer, Benjamin Becker, Teamchef Patrick Kühnen. Vordere Reihe v.l.: Philipp Petzschner, Christopher Kas, Mischa Zverev, Michael Berrer, Denis Gremelmayr, Andreas Beck, Björn Phau. (Foto: Gerry Weber World)



Denis Gremelmayr ist Clemens Fritz

Beide gingen lange Zeit solide ihrem Job nach, ohne groß für Aufsehen zu sorgen. Beide schafften ihren Durchbruch in Barcelona. Fritz gewann vor zwei Jahren im Champions-League-Spiel gegen Ronaldinho jeden Zweikampf und gehört seitdem fest zur Nationalelf Gremelmayr spielte sich in diesem Jahr in Barcelona mit Siegen über drei Weltklasseleute ins Halbfinale und ist seitdem auf der ATP-Tour etabliert.

Michael Berrer ist Thomas Hitzlsperger

Fleißiger Arbeiter, vollkommen unauffällig, lange unterschätzt, nicht mehr wegzudenken.

Mischa Zverev ist Lukas Podolski

Ein gebürtiger Russe und ein gebürtiger Pole waren als Teenager die große Zukunftshoffnungen des deutschen Sports. Die Erwartungen waren gewaltig. Beide sind daran nicht zerbrochen, sondern haben ihren Weg gemacht, auch wenn sich mittlerweile abzeichnet, dass Mischa niemals Wimbledon gewinnen wird und Poldi niemals die Wahl zum Weltfußballer des Jahres. Mischa schlägt an einem Tag die Nummer Fünf der Welt und verliert am nächsten gegen die Fünfhundert. Poldi ist zwei Jahre älter als Mischa, und vor zwei Jahren war Poldi (das große Sorgenkind vor der WM) ähnlich unstet in seinen Leistungen.

Rainer Schüttler ist Bernd Schneider

Rainer Schüttler und Bernd Schneider müssten schon ziemlich auf den Putz hauen, um es auf die Titelseite von Bild zu schaffen. Einfach nur zu früh die Weihnachtsfeier verlassen, reicht da nicht. Die Fans lieben sie trotzdem, denn sie wissen, dass sie zu den besten deutschen Spielern der letzten Jahre zählen.

Benjamin Becker ist David Odonkor

Noch schöner wäre es natürlich, wenn Odonkor Beckenbauer heißen wurde. Aber auch so gilt: Ihr Ruhm gründet auf einer einzigen Aktion aus dem Jahr 2006: Benjamin Becker schlug Andre Agassi in dessen letztem Match. David Odonkor schlug bei der WM eine spekulative Flanke, die Neuville zum erlösenden 1:0 gegen Polen verwandelte. Ansonsten hat man von beiden nicht viel gehört.

Florian Mayer ist Miroslav Klose

Sportskanonen sehen anders aus als diese beiden Spieler. Wenn sie mal monatelang keinen Ball treffen, heißt es immer, das liege daran, dass sie so sensibel sind.

Philipp Petzschner ist Simon Rolfes

Die beiden galten schon seit vielen vielen Jahren als große Hoffnungen. Als man die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, schafften sie es plötzlich doch noch in die Nationalmannschaft. Und von Anfang an sahen sie dort so aus, als wären sie immer schon dabeigewesen.

Andreas Beck ist Marcell Jansen

So hatte ich es mir jedenfalls vorhin notiert. Wieso, weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht, weil sie sich auf dem Platz beide so bewegen, als würden sie den sterbenden Schwan tanzen.

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