Sonntag, 6. April 2008

Vorschau: Davis-Cup-Viertelfinale

Heute gibt es einen Ausblick auf die Davis-Cup-Viertelfinals, die am nächsten Wochenende gespielt werden. Da werden einige hochklassige Matches gespielt. Von den ersten 20 Spielern der Weltrangliste sind 13 im Einsatz. Keiner kneift. Die sieben, die nicht dabei sind, fehlen entweder deshalb, weil ihre Länder schon ausgeschieden oder gar nicht in der Weltgruppe sind oder weil in ihren Ländern andere Leute noch besser sind. Der beste Spieler, bei dem man nicht genau weiß, ob er nicht vielleicht doch könnte, wenn er wollte, kommt auf Platz 36 und ist aus Deutschland: Tommy Haas. Erstmal aber zu den anderen Partien:

Russland - Tschechien (Mein Tipp: 3:2)

Ihre letzten beiden Heimspiele gewannen die Russen nicht zuletzt deshalb, weil einige der gegnerischen Spieler an Magen-Darm-Infekten litten. Bisher hab ich ja Spekulationen, daran sei die Russenmafia Schuld, ins Reich der Legenden verwiesen. Aber wenn Berdych und Stepanek jetzt auch Bauchweh kriegen sollten, würde ich meine Meinung natürlich ändern.
Wenn bei den Tschechen alle gesund bleiben, wird es eine knappe Sache. Russland ist aber wegen des Heimvorteils leicht favorisiert. Der Weltranglistenvierte Nikolai Davidenko ist gut in Form und hat in dieser Woche das Masters in Miami gewonnen. Wenn er sich Mühe gibt (was man bei ihm nie weiß), gewinnt er seine beiden Einzel gegen Tomas Berdych und Radek Stepanek. Der zweite Mann bei den Russen, Michail Juschni, scheint dagegen etwas außer Form zu sein. Gegen Berdych ist er Außenseiter. In Normalform würde Juschni gegen Stepanek gewinnen, aber eben nur in Normalform.
Fürs Doppel haben die Tschechen mit Lukas Dlouhy und Pavel Vizner zwei Weltklasseleute, die zudem eingespielt sind. Bei den Russen dürften Juschni und Dimitri Tursunow antreten. Das sind beides keine Schlechten, auch nicht im Doppel. Aber sie spielen außer im Davis-Cup so gut wie nie zusammen und wenn, dann mit deutlich weniger Erfolg, als wenn sie andere Partner haben.
Aber wenn Davidenko seine beiden Einzel gewinnt, braucht Russland ja nur noch einen weiteren Punkt. In einem der drei weiteren Matches werden sie den Punkt holen, ich wage aber keine Prognose, in welchem.

Argentinien - Schweden (Mein Tipp: 4:1)

Die alten Schweden haben diesmal wieder ihren 23-jährigen Jungspund Robin Söderling an Bord. Bei der Erstrundenbegegnung in Israel war der verletzt, so dass in der schwedischen Mannschaft keiner unter 30 war. Das frühere Tennis-Wunderland Schweden geht mittlerweile am Krückstock. Nachwuchs gibt es praktisch nicht. Vielleicht gewinnen Jonas Björkman (36) und Simon Aspelin (33) das Doppel, aber noch nicht einmal da bin ich mir ganz sicher. Im Einzel geling Björkman schon seit Jahren nur noch alle paar Monate mal ein Geniestreich, und so langsam wird es bei ihm auch im Doppel kritisch. Im Einzel haben Söderling und Thomas Johansson (33) auf Sand gegen die Argentinier sowieso keine Chance, egal ob David Nalbandian, Guillermo Cañas oder Juan Monaco spielen.

USA - Frankreich (Mein Tipp: 4:1)

4:1 tippe ich deshalb, weil die USA am Sonntag, wenn sie schon uneinholbar mit 3:0 führen, einen der beiden Doppel-Zwillinge Bob und Mike Bryan im Einzel ranlassen werden. Da holen die Franzosen dann ihren Ehrenpunkt. Damit will ich nicht behaupten, Frankreich sei meilenweit unterlegen. Richard Gasquet, Jo-Wilfried Tsonga oder Paul-Henri Mathieu haben in jedem einzelnen Match gegen Andy Roddick und insbesondere James Blake Chancen, aber ich glaube nicht, dass sie diese Chancen nutzen werden. Roddick scheint in jüngster Zeit wieder ziemlich gut in Fahrt gekommen zu sein. Auch im Doppel können die Franzosen eine Überraschung schaffen, jedenfalls dann, wenn die Wimbledon-Sieger und Australian-Open-Finalisten Arnaud Clement und Michael Llodra antreten. In dem Punkt gibt es aber noch Unklarheiten: Der vierköpfigen Mannschaft, die Kapitän Guy Forget am Dienstag nominiert hat, gehört Clement nicht an. Wenn ich mit meinen limitierten Französischkenntnissen die L’Equipe richtig verstanden habe, wird Llodra im Doppel mit Gasquet oder vielleicht auch mit Tsonga spielen.
Allerdings soll im Mannschaftshotel ein Zimmer für Clement gebucht sein (sagt jedenfalls Informantin Debra, auf deren Reiseblog ich jetzt einfach mal verlinke, auch wenn es darin nicht um Tennis geht). Kann also sein, dass Guy Forget bis kurz vor Schluss abwartet, wen er als zweiten Einzelspieler aufstellt und dann den Clement für einen angeblich verletzten Tsonga oder Mathieu nachnominiert.

Deutschland - Spanien (Mein Tipp: 1:4)

Die Situation ist ähnlich wie bei Russland gegen Tschechien, nur eindeutiger: Rafael Nadal wird seine beiden Einzel gewinnen. Die Deutschen müssen versuchen, irgendwie die drei anderen Punkte zu holen, was ihnen aber in höchstens zwei Fällen gelingen wird. Am ehesten noch gewinnt Deutschland das Doppel. Vermutlich spielen da Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner gegen Feliciano Lopez und Fernando Verdasco. Der zweite spanische Einzelspieler David Ferrer ist zwar Weltranglistenfünfter, spielt im Moment aber nicht so überragend, dass er unschlagbar wäre. Das Problem ist: Die beiden deutschen Einzelspieler (Kohlschreiber und Nicolas Kiefer) spielen im Moment auch nicht wirklich überragend. Daher mein Tipp, dass die Deutschen nur einen Punkt holen werden.
Nächste Woche gibt es an dieser Stelle einen endlich mal wieder einen Vor-Ort-Bericht. Am Freitag bin ich, wie im Februar schon mal angedeutet, in Bremen beim Spiel gegen Spanien.


Alle Teams im Überblick (in Klammern die Weltranglisten-Position im Einzel und Doppel):

Russland: Nikolai Davydenko (4/537), Michail Juschni (11/90), Igor Andrejew (32/346), Dimitri Tursunov (35/39)
Tschechien: Tomas Berdych (10/101), Radek Stepanek (28/73), Lukas Dlouhy (176/14), Pavel Vizner (-/5)

Argentinien: David Nalbandian (7/200), Guillermo Cañas (15/127), Juan Monaco (19/105), Jose Acasuso (45/84)
Schweden: Robin Söderling (39/385), Jonas Björkman (57/21), Thomas Johansson (60/88), Simon Aspelin (-/10)

USA: Andy Roddick (6/747), James Blake (9/201), Bob Bryan (-/1), Mike Bryan (-/1)
Frankreich: Richard Gasquet (8/53), Jo-Wilfried Tsonga (12/78), Paul-Henri Mathieu (16/187), Michael Llodra (38/12)

Deutschland: Philipp Kohlschreiber (27/67), Nicolas Kiefer (51/186), Michael Berrer (64/249), Philipp Petzschner (125/113)
Spanien: Rafael Nadal (2/140), David Ferrer (5/275), Fernando Verdasco (30/142), Feliciano Lopez (33/125)

www.daviscup.com

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