Sonntag, 13. April 2008

Live aus Bremen: Kiwi gegen Nadal im Davis-Cup

Es war 12. September 2006, da spielte Werder in der Champions League beim FC Chelsea. Das Spiel hab ich bei Bier und Bifteki in der Taverna Romana an der Hamburger Sternschanze gesehen. Als der griechische Schiedsrichter zur Halbzeit pfiff, war ich erleichtert. Jeder Pass ein war ein Zuckerpass. Das Spiel hielt nie inne. Allein das Zuschauen war so anstrengend, dass ich die Pause nach 45 Minuten dringend brauchte.

Bisher war das mein intensivstes Passivsport-Erlebnis. Dann kam der erste Satz im Davis-Cup-Match zwischen Nicolas Kiefer und Rafael Nadal an diesem Freitag. Diesmal saß ich nicht in der Kneipe (Kneipen, in denen Tennis übertragen wird: lustige Vorstellung), sondern war live dabei in der ehemaligen Bremer Stadthalle. Diesmal gab es keine Halbzeitpause nach 45 Minuten. Allein das erste Aufschlagspiel dauerte eine Viertelstunde. Der erste Satz war nach anderthalb Stunden zu Ende. 90 Minuten, in denen Nadal jeden beliebigen Ball aus jedem beliebigen Winkel genau auf die Grundlinie zirkelte und in denen sich Nicolas Kiefer jeden einzelnen Punkt mit einem Geniestreich erarbeiten musste.

Vielleicht übertreibe ich, vielleicht sagt die Statistik, dass Nadal irgendwo mal einen Ball ins Netz schlug. Das ändert aber nichts am Gesamteindruck. Vermutlich war es nicht der beste Satz in der Geschichte des Davis-Cup, so wie Chelsea und Werder nicht die beste Halbzeit der Champions-League-Geschichte gespielt haben. Aber als Fan-Erlebnis war es einmalig. Deshalb kann ich zum Vergleich im Fußball nur andere Spiele von Werder Bremen und im Tennis überwiegend von Nicolas Kiefer bemühen.

Allein dass das Spiel besonders spannend ist, reicht nicht für diese Art des intensiven Mitfieberns. Das olympische Doppelfinale 2004 in Athen zum Beispiel war mit seinen diversen Matchballen für Kiefer und Schüttler unglaublich dramatisch - aber mit den unzähligen verschlagenen Bällen doch eher zum Haareraufen als zum atemlosen Staunen. Und vermutlich ist es für diese Art des Mitfieberns hilfreich, von Vorherein eine Niederlage zu erwarten. Nur dann kann man sich über jeden einzelnen gewonnen Punkt so hemmungslos wundern, wie ich es am Freitag getan habe.

In Chelsea damals hat Werder am Ende ebenso verloren (0:2) wie Nicolas Kiefer am Freitag in Bremen (6:7, 0:6, 4:6). Aber da hatte ich wenigstens die Halbzeitpause. Am Freitag musste ich den zum Erholen den zweiten Satz nehmen. Das 0:6 habe ich nur als entferntes Rauschen wahrgenommen. Das Ergebnis spricht dafür, dass es Kiwi unten auf dem Platz ähnlich ging.

So, das war's für heute. Damit von den zufälligen Passanten auf in diesem Blog niemand völlig ratlos zurückbleibt, zum Abschluss das komplette Ergebnis der Davis-Cup-Viertelfinal-Begugnung zwischen Deutschland und Spanien (1:4):

Nicolas Kiefer - Rafael Nadal 6:7, 0:6, 4:6
Philipp Kohlschreiber - David Ferrer 7:6, 3:6, 4:6, 2:6
Kohlschreiber/Petzschner - Lopez/Verdasco 7:6, 6:7, 4:6, 6:2, 10:12
Michael Berrer - Fernando Verdasco 6:2, 6:7, 4:6
Nicolas Kiefer - David Ferrer 6:4, 7:6

Alle Ergebnisse gibt's auf www.daviscup.com

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