Sonntag, 30. März 2008

Wer ist eigentlich Donald Young?

Heute geht’s um Donald Young. Weil in meinem Blog nicht nur Freaks willkommen sind, die sowieso schon alles wissen, sondern auch Gelegenheits-Fans, holen wir etwas weiter aus und fragen: Wer ist denn das?

Donald Young ist ein farbiger Amerikaner, der 18 Jahre und acht Monate alt ist und genauso charmant lächeln kann wie Tiger Woods. (Wer Tiger Woods ist, erklär ich jetzt nicht. Den kenn ja sogar ich, und ich kenn an Golfern sonst nur Bernhard Langer.)

Donald Young steht in der aktuellen Weltrangliste auf Platz 77 und ist in dieser Woche beim Masters-Turnier in Miami in der zweiten Qualifikationsrunde ausgeschieden. Das ist bemerkenswert, und zwar aus folgendem Grund: Donald Young und Miami stehen für eine der skurrilsten Ergebnis-Kombinationen der jüngeren Tennisgeschichte. Vor zwei Jahren spielte Donald Young im Miami nicht im Qualifikations-Wettbewerb. Er bekam eine Wild Card fürs Hauptfeld. Wer jetzt mitrechnet, begreift schnell, dass der Junge damals gerade 16 Jahre und acht Monate alt war. Okay, Boris Becker hat in dem Alter in Wimbledon die dritte Runde erreicht. Aber der hatte sich regulär durch die Qualifikation gespielt und war schon unter den ersten 200 der Welt.

Donald Young war vor zwei Jahren auf Platz fünfhundertirgendwas. Er verlor in Miami in der ersten Runde mit 0:6 und 0:6. Und zwar gegen einen argentinischen Sandplatz-Arbeiter namens Carlos Berlocq, der auf Hartplatz so unterirdisch schlecht ist, dass er in der zweiten Runde gegen James Blake seinerseits mit 0:6 und 0:6 verlor.

Die US-Medien hatten Donald Young vorher zum kommenden Star hochgejazzt, und seine ehrgeizigen Eltern spielten das Spiel mit. Die Veranstalter in Miami waren damals nicht die einzigen in den USA, die Donald Young eine Wild Card gaben. (Vorher hatte er sich meistens mit Ergebnissen wie 1:6, 2:6 in die Umkleidekabine gerettet.)

Donald und seine Eltern hatten daraus offenbar gelernt. Statt sich auf den großen Center Courts abschießen zu lassen, spielte er nun auf drittklassigen Future-Turnieren gegen Leute, mit denen er mithalten konnte. 2006 tauchte er nur ein einziges Mal wieder bei einem großen Turnier auf. Bei den US Open gewann er in der ersten Runde einen Satz gegen Novak Djokovic. Ein Jahr später - mit etwas Glück in der Auslosung - kam er sogar in die dritte Runde. Aber abseits der US Open spielte weiterhin fast ausschließlich kleine Turniere. Statt drittklassigen Futures jetzt zweitklassige Challengers. Und er gewann sie reihenweise. Er verschwand aus dem Blickfeld der Medien. Im Jahr 2008 ist er als solider Top-100-Spieler wieder aufgetaucht. Vor zwei Wochen in Indian Wells gewann er gegen Feliciano Lopez. Das war sein erster Sieg gegen einen Top-50-Spieler. Und zwar im zweiten Spiel gegen einen Top-50-Spieler seit seinen Wild-Card-Debakeln als 16-Jähriger.

In Miami ist er jetzt zwar in der Qualifikation gescheitert, aber so was kann vorkommen bei einem so jungen Spieler. Donald Young ist jetzt genau da, wo er mit 18 Jahren und acht Monaten sein muss, wenn er nach ganz oben will. Die heutigen Stars - wie Federer, Nadal, Djokovic oder Roddick - standen in seinem Alter alle zwischen Platz 50 und 80. Wenige Monate später gehörten sie zu den Besten der Welt.

Tiger Woods muss sich warm anziehen. Es ist Zeit, Donald Young ernst zu nehmen.

Donald Youngs Profil bei der ATP

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