Sonntag, 9. März 2008

Haas und Kiefer: Schlagzeilen vom Karriereende

Bei den US Open 2007 überstand Philipp Petzschner die Qualifikation, gewann sein Erstrundenmatch und verlor in der zweiten Runde gegen Tommy Haas. Petzschner stand am nächsten Tag kurz in der Zeitung. Danach stand er zwei weitere Male kurz in der Zeitung, denn er spielte zwei Mal für Deutschland im Davis-Cup. Ansonsten kennt in Deutschland kein Mensch Philipp Petzschner.

Bei den US Open 1996 überstand Tommy Haas die Qualifikation und verlor in der ersten Runde gegen Michael Stich. Seitdem kennt ganz Deutschland Tommy Haas, auch wenn die wenigsten wissen, dass er mal Weltranglistenzweiter war. So ähnlich ergeht es Nicolas Kiefer, von dem die wenigsten wissen, dass er mal Weltrangslistenvierter war. Haas und Kiefer sind die letzten Dinosaurier aus der Zeit, in der fast jeder Deutsche die Namen unserer Tennishelden wusste. Und wie es im Wesen der Dinosaurier liegt: Sie sterben aus. Haas und Kiefer stehen mit ihren 30 Jahren zwar nicht zwangsläufig unmittelbar vor der Tennisrente, aber in dieser Woche wurde deutlich wie selten, dass ihre größte Zeit vorbei sein dürfte. Das gilt besonders für Tommy Haas, dem seine mehrfach operierte Schulter Probleme bereitet. Beim Turnier in Dubai ging er in der ersten Runde sang- und klanglos mit 3:6 und 0:6 gegen David Ferrer unter. In einem Interview mit der "Welt" klang er danach ziemlich verzweifelt: "Es kann sein, dass nichts mehr so wird wie früher." - "Manche Ziele, die ich hatte, werden vielleicht nicht mehr zu erreichen sein." Hätten wir noch 1996, "Bild" würde aus solchen Sätzen Schlagzeilen vom Karriereende stricken.

Etwas weniger eindeutig sieht es bei Nicolas Kiefer aus. Er war Ende 2007 überragend und stand beim Mastersturnier in Madrid im Halbfinale. 2008 hat er bisher nur selten gespielt, und wenn, dann kaum erfolgreicher als Tommy Haas. Hätten wir noch 1996, "Bild" würde aus Kiefers sechswöchiger Turnierpause nach den Australian Open Schlagzeilen vom Karriereende stricken und fragen, ober er vielleicht keine Lust mehr hat, wegen unbedeutender Turniere irgendwo in der Wüste Heimspiele von Hannover 96 zu verpassen.

Auch wenn die Karriere der beiden wohl keineswegs unmittelbar vor dem Ende steht, ist in dieser Woche deutlich geworden: Mittelfristig müssen wir uns darauf einstellen, dass in Deutschland keiner mehr die deutschen Spieler auf der ATP-Tour kennt. Philipp Kohlschreiber, Philipp Petzschner oder Mischa Zverev müssten wohl schon selber Wimbledon gewinnen, um daran etwas zu ändern. Die Wahrscheinlichkeit, dass das einem von ihnen gelingt, ist immerhin größer als null.

Das Interview mit Tommy Haas in der "Welt"

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