Sonntag, 17. Februar 2008

Winterfest am Rothenbaum

Der DTB, der tapfere deutsche Tennisbund, gibt nicht auf. "Der Master-Status ist für uns weiterhin nicht verhandelbar", sagte DTB-Präside Ulrich Kroeker in dieser Woche dem Hamburger Abendblatt .

Rund ein Jahr ist es her, dass ruchbar wurde, dass die ATP dem Turnier am Hamburger Rothenbaum ab 2009 jenen Masters-Status aberkennen wird, der garantiert, das alle Topstars im Mai nach Norddeutschland fliegen müssen, obwohl es ihnen hier eigentlich viel zu kalt und verregnet ist. Auch wenn die Details noch nicht bekannt sind: Die ATP hat beschlossen, ihren Turnierplan zu ändern. Verhandelbar dürfte diese Sache in der Tat nicht sein. Kroeker könnte wohl ebensogut Sonnenschein und zwanzig Grad in der Turnierwoche als "nicht verhandelbar" erklären. Es würde trotzdem regnen.

Anders als in Hamburg ist in Madrid im Mai oft schönes Wetter. In Madrid aber spielt man bislang ein Master-Hallenturnier im Oktober. Da stand im letzten Jahr Nicolas Kiefer im Halbfinale. Auf Sand ist sowas schon lange keinem Deutschen mehr gelungen. Hamburg und Madrid könnten also eigentlich einfach ihre Plätze im Turnierkalender tauschen. Die Spanier hätten dann endlich ihr großes Sandplatz-Turnier, das ihren Spielern - allen voran Rafael Nadal - besonders liegt.

Aber so einfach ist es nicht. Das Sandplatz-Masters in Madrid wird wohl in der Tat kommen. Aber statt eines Hallenturniers in Deutschland dürfte es eher eines in Asien geben. Dort steigt das Interesse am Tennis. In Deutschland dagegen ist es in den vergangenen Jahren meistens nicht einmal gelungen, einen Fernsehsender zu finden, der vom Rothenbaum live übertragen wollte.

Der DTB plant jetzt dennoch, das Stadion am Rothenbaum fit für Hallenveranstaltungen zu machen. Man plant ein neues winterfestes Dach für 30 Millionen Euro. "Wir könnten dann auch ein Hallen-Masters im Oktober/November ausrichten", sagt der oben schon zitierte Ulrich Kroeker. Aber selbst wenn das Interesse der Deutschen für den Tennissport irgendwann wieder so groß sein sollte, dass die ATP ein solches Turnier erwägt, dürfte auch ein überdachter Rothenbaum dafür kaum geeignet sein. Denn das Dach ist nur über dem Center Court. Für ein Masters mit 48 Spielern allein im Einzel bräuchte man aber mindestens einen weiteren Platz. So etwas ließe sich wohl eher in der Color Line Arena einrichten oder - daran mag man als Hamburger gar nicht denken - gleich in einer ganz anderen Stadt, dort wo die potenten Automobilkonzerne sitzen, die sich als Sponsoren gewinnen lassen. (Früher, zu Boris' Zeiten, gab es ja mal die "Stuttgart Classics".)

Vorerst dürfte das Rothenbaum-Turnier wohl als ATP-Event der mittleren Kategorie fortbestehen. DTB-Offizielle reden ganz begeistert von einem neuen Termin im Hochsommer, wenn das Wetter schöner ist.

Die Fans des Turniers vom Stuttgarter Weissenhof mögen verzeihen, aber: Sandplatzturniere im Juli sind eine ganze Etage langweiliger als solche im Mai. Das liegt am internationalen Terminkalender. Im Frühjahr, in den Wochen vor den French Open, finden auf ATP-Level überhaupt nur Sandplatzturniere statt. Als Zuschauer bekommt man dort alle Spielertypen zu Gesicht, die der Tennissport zu bieten hat. Im Juli hingegen spielen sich in Europa vorwiegend die spanischen und argentinischen Sandplatz-Spezialisten die Topspins hin und her. Alle anderen sind längst in Amerika und bereiten sich dort auf Hartplätzen auf die US Open vor. Über einem Rothenbaumturnier im Juli würde also mit etwas Glück zwar die Sonne scheinen (sicher ist das ja auch nicht), ein Großteil der deutschen Spitzenspieler würde aber statt in Hamburg in Los Angeles oder Indianapolis antreten.

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