Sonntag, 24. Februar 2008

Ist Nadal schlechter als Seppi?

Beim ATP-Turnier von Rotterdam in dieser Woche waren acht Spieler von den ersten 20 der Weltrangliste am Start. Keiner von ihnen ist weiter als in die zweite Runde gekommen.

So extrem sind die Ergebnisse bei vergleichbaren Turnieren zwar nicht, aber es fällt trotzdem auf: Bei "normalen" ATP-Turnieren verlieren die Spitzenspieler deutlich häufiger gegen Außenseiter als bei Masters- oder Grand-Slam-Turnieren. Der Russe Nikolai Dawidenko ist spätestens seit dem vergangenen Herbst berüchtigt, als er unter den Verdacht der Wettmanipulation geriet. Er spielt so viele Turniere wie kaum ein anderer Top-Ten-Spieler, und meistens verliert er in Runde zwei. So auch diesmal in Rotterdam. Im Vergleich zu einigen anderen Größen der Szene war Dawidenko diesmal aber recht unverdächtig: Er unterlag dem späteren Turniersieger, Michael Llodra aus Frankreich. Das kann schon mal passieren. Weniger einsichtig ist da, warum Juan Carlos Ferrero gegen den mäßig talentierten Russen Teimuras Gabaschwili den Kürzeren zog oder Rafael Nadal gegen Andreas Seppi aus Italien.

Der Verdacht liegt nahe: Die Stars wollen nicht gewinnen. Sie reisen an, um ein bisschen Spielpraxis zu sammeln, vielleicht ein bisschen Antrittsprämie zu kassieren, alles andere ist nachrangig. Man muss ihnen gar nicht mal unterstellen, sie würden absichtlich verlieren, um früher abreisen zu können. Sie geben schlicht nicht hundert Prozent. Das ist soweit nicht verwerflich. Viele Menschen lassen es auf der Arbeit etwas ruhiger angehen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Und es ist klug, die Kräfte für wichtigere Turniere zu schonen. Die Profis aus der zweiten Reihe dürfte es auch freuen, wenn der Weg ins Finale frei ist. Für die Zuschauer aber ist es ein Ärgernis, im Viertelfinale statt der erhofften Stars nur Gilles Simon oder Mischa Zverev zu sehen zu bekommen.

Die Ursache für dieses Problem liegt in der Art und Weise, wie die Weltrangliste berechnet wird. Nur die Ergebnisse der vier Grand-Slam-Turniere und der neun Masters gehen automatisch in die Wertung ein. Ansonsten zählen nur die besten Resultate. Eine frühe Niederlage fällt für Nadal oder Dawidenko also nicht ins Gewicht. Es ist, als hätten sie das Turnier gar nicht gespielt. Das war früher anders. Bis Mitte der Neunziger Jahre zählte jedes Turnier. Die Weltranglistenplatzierung berechnete sich nach der Durchschnittspunktzahl aller Turniere der vergangenen zwölf Monate. Jede Erstrundenniederlange riss einen Spitzenspieler da richtig runter. Also hat sich jeder bei jedem Turnier richtig ins Zeug gelegt. Auch in Rotterdam, Zagreb und Kitzbühel. Die Stars spielen heute deutlich mehr Turniere als damals. Aber nur montags bis mittwochs. Für den Kartenvorverkauf reicht das. Und deshalb wird die ATP vermutlich nicht zu der alten Methode der Weltranglistenberechnung zurückkehren.

Die Ergebnisse aus Rotterdam

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